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Ein Leserbrief von veröffentlicht am 08.12.2020 um 10:40 Uhr

Das gegenteilige Phänomen ist gravierender

Kritische Selbstbeobachtung ist wichtig

Zu: „Jung, erfolgreich, Hochstapler?“, vom 3. Dezember
Ist das wirklich so schlimm, wenn jemand tatsächlich erfolgreich ist, daran manchmal aber zweifelt? Im Alter rückblickend kann ich, allerdings auf anderer Ebene, das Impostor-Phänomen aus eigener Erfahrung zumindest ansatzweise nachvollziehen.

Einige Erfolge resultierten bei mir jedoch aus vorangegangenen Niederlagen, weil mir das Leben auf unterschiedliche Weise ein paarmal „hart in die Karre fuhr“. Das aber war ein Ansporn für das weitere Dasein. Dennoch kamen manchmal Zweifel auf: Ist dir die Bearbeitung wirklich gelungen?Heute denke ich kaum noch darüber nach und betrachte mit dem nötigen Abstand die Selbstzweifel in diese Richtung als abgearbeitet. Das schließt eine weitere kritische Selbstbeobachtung aber nicht aus, was schon zum Erkennen einiger Fehler führte.

Als gravierender sehe ich das gegenteilige Phänomen an. Es gibt Menschen, die ohne viel Substanz und für fast jeden erkennbar, ordentlich „auf die Pauke hauen“. Allerdings schlägt wohl jeder manchmal gern die Trommel, was in Grenzen durchaus tolerierbar ist.

Dagegen kenne ich Leute, die – bildlich gesprochen – ihr Dasein als Hilfsprediger fristen, sich aber als Papst gerieren. Das scheint aus meiner Sicht viel schlimmer zu sein, weil diese Leute nicht in der Lage sind, sich selbstkritisch zu hinterfragen.