weather-image
11°
×
Ein Leserbrief von veröffentlicht am 09.04.2021 um 17:43 Uhr
aktualisiert am 29.04.2021 um 11:26 Uhr

Leserbrief

Kompromiss für das Gas-Projekt Nordstream 2 vereinbaren

Zu: „Front der Gegner wächst“, vom 25. März

Die Gaspipeline Nordstream 2 wird seit 2011 kontrovers diskutiert. Befürworter und Gegner haben triftige und nachvollziehbare Gründe für und gegen den Bau. Inzwischen geht es jedoch kaum noch um das Für und Wider, sondern um die Frage, wie dieser Streit beigelegt werden kann, ohne dass jemand sein Gesicht verliert.

Hier mein Vorschlag: Nordstream 2 wird zu Ende gebaut, da über 90 Prozent bereits fertiggestellt sind und es den Steuerzahlern und Investoren kaum zu erklären wäre, warum in den letzten zehn Jahren zig Milliarden unnütz in der Ostsee versenkt worden sind. Deutschland und Russland, unter Einbeziehung der Ukraine, einigen sich auf eine Übergangsphase, in der Erdgas über den Landweg in der bisherigen Menge geliefert wird. Über Nordstream 1 und 2 gelangt zunächst die gleiche Erdgasmenge nach Deutschland, wie es bislang über Nordstream 1 der Fall war. Bei Engpässen oder Wartungsarbeiten an den vorhandenen Pipelines könnte der fehlende Bedarf über Nordstream 2 ausgeglichen werden. Die Ukraine könnte somit weiterhin Gas nach Europa durchleiten und hätte während einer terminlich noch zu definierenden Übergangsphase keine finanziellen Nachteile. Mit den USA wird die Lieferung von Flüssiggas zu einem fairen Preis vereinbart, wobei es eine Grundbedingung sein sollte, dass dieses Gas nicht durch das umweltschädigende Fracking gewonnen worden ist. Ein Fracking-Verbot in Deutschland würde die genannte Grundbedingung nicht nur eindrucksvoll untermauern, sondern könnte alle Fracking-Gegner ins Boot holen; auch den Grünen würde es dann sicherlich leichter fallen, ohne Gesichtsverlust für eine Fortsetzung der Bauarbeiten zu stimmen. Der Vorwurf, Europa und Deutschland machen sich zu sehr von Russland abhängig, wäre mit der Flüssiggaslieferung aus den USA entkräftet