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Ein Leserbrief von veröffentlicht am 22.10.2021 um 22:20 Uhr

Leserbrief

Kirche in Misskredit

Zu: „Auszeit mit vollem Gehalt“, vom 14. November

Ach, ich Dummerchen. Da habe ich mit meiner Berufswahl vor 62 Jahren wohl einen Fehler gemacht. Anstelle meines ausgeübten Berufes hätte ich Kleriker, und mit etwas Glück Kardinal werden sollen.

Erstens wäre mein Gehalt erheblich höher gewesen, und zweitens hätte ich im Alter eine Auszeit mit vollem Gehalt nehmen können. Mir reichte als Abschluss meines Berufslebens aber der vorgezogene Ruhestand durch die Altersteilzeit mit deutlich gemindertem Einkommen und einer auf immer gekürzten Rente – das alles also auf eigene Kosten.

Als Mann der Kirche wäre ich allerdings nicht geeignet, weil ich ein scharfer Gegner des Kindesmissbrauchs bin und mir das Talent zur Heuchelei fehlt. Damit behaupte ich klar und deutlich nicht, dass alle Kleriker so sind, denn die große Mehrheit derer ist sicherlich fehlerfrei. Es sind die enorm vielen „schwarzen Schafe“, die die Kirche durch den butterweichen Umgang mit ihnen auf allerlei Ebenen in Misskredit bringt. Erinnert sei stellvertretend auch an den Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst mit seinem 31 Millionen Euro teuren Dienst- und Wohnsitz, der als Belohnung für diese unglaubliche Geldverschwendung in den Vatikan versetzt wurde. Auch der Kardinal Rainer Maria Woelki hat sich mit seiner Hinhaltetaktik und den Vertuschungsversuchen bei den entsetzlichen kirchlichen Missbrauchsfällen nicht mit Ruhm bekleckert. Schlimmer noch, für mich ist das die Vereitelung diverser Straftaten. In der freien Wirtschaft wären solche Leute umgehend entlassen und vor Gericht gestellt worden.

Was fällt der Kirche noch alles ein, um die Gläubigen in Scharen zu vertreiben? Reicht dazu das in vielerlei Hinsicht immer noch angestaubte Image nicht mehr aus?

Es wird sich dort wohl nichts ändern, solange neben vielen anderen Unsäglichkeiten – wie die Unterdrückung der Frauen – Männer teuer gewandet in Kleidern herumlaufen.