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Ein Leserbrief von veröffentlicht am 31.05.2021 um 17:51 Uhr

Keinen Impfneid schüren

Die Grundrechte wurden vor über einem Jahr mit der Feststellung einer Pandemie teilweise außer Kraft gesetzt und diese Feststellung gilt auch heute noch. Seit kurzem wird jedoch einer kleinen Gruppe wieder ein Teil ihrer Grundrechte zurückgegeben, dem Rest der Bevölkerung aber nicht. Dass Geimpfte und Genesene den negativ Getesteten gleichgestellt werden ist logisch und nachvollziehbar. Dass jedoch Ausgangssperren und Kontaktbeschränkungen für diese Gruppe nicht mehr gelten sollen, halte ich für keine gute Idee. Im Grundgesetz, Artikel 3 heißt es nämlich auch: „Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.“ Und da es zurzeit noch nicht für alle möglich ist, geimpft zu werden, sollten auch für alle die gleichen Einschränkungen gelten. Sonst könnten diejenigen, die sich noch nicht einmal auf eine Warteliste für eine Impfung setzen lassen können, die Geduld verlieren. Es sind die Kinder, Jugendlichen, junge Erwachsene in Studium und Ausbildung, Menschen in nicht priorisierten Berufen, die sich bislang sehr verantwortungsvoll verhalten und solidarisch den anderen priorisierten Gruppen den Vortritt zur Impfung gelassen haben. Im Gegenzug sollten sich die Geimpften allerdings eine Zeitlang noch genauso solidarisch den Ungeimpften gegenüber verhalten. Die Politik sollte sich hüten, über derartige Verordnungen einen Impfneid auszulösen, der unserer Gesellschaft nur schaden kann. Von Impfmüdigkeit kann angesichts ellenlanger Wartelisten in Impfzentren und Arztpraxen jedenfalls keine Rede sein. Grund zum Feiern haben wir erst, wenn allen Impfwilligen ein Impfstoff und -termin angeboten werden konnte.