weather-image
16°
×
Ein Leserbrief von veröffentlicht am 16.08.2021 um 13:28 Uhr

Kaputtmachen kann jeder

Zu: „Alte Wunden schmerzen wieder“, vom 27. Juli


Es ist modern geworden, in jedem Scheitern grundsätzlich eine Chance zu sehen, sich dann aber mit dieser Feststellung zu begnügen und nichts am bisherigen Verhalten zu ändern. Ganz in diesem Sinne reagiert Bürgermeister Blome. Statt zuallererst eine ehrliche Ursachenforschung zu betreiben, um daraus erfolgreiche Strategien für die Zukunft zu entwickeln, hat er spontan zwei Lösungen parat. Die erste heißt Gesundbeten: „Bad Pyrmont ist auch ohne Titel ein Great Spa!“, soll heißen: „Wir müssen nichts anpacken.“ Aber, Herr Bürgermeister, die Konkurrenz schläft nicht, wie man an den Sieger-Kurbädern sehen kann. Beschönigende Worte reichen da nicht. Denn wahrscheinlich hat Bad Pyrmont ja doch irgendetwas falsch gemacht. Denn während man woanders den Denkmälern eine „Schlüsselfunktion mit hoher Strahlkraft für den Ort“ zuerkennt und danach handelt, da lobt unser Bürgermeister den Neubau, weil der angeblich „eine neue Perspektive“ schafft. Das ist also, außer Gesundbeten, das zweite Erfolgsrezept: Man schmeißt die beschädigten Steine weg und „schwupps!“ ist die „neue Perspektive“ da.

Genau jene Gebäude, die diese Stadt prägen und unverwechselbar machen, sollen durch Neubauten ersetzt werden. Damit Bad Pyrmont endlich genauso aussieht wie andere Städte, die diesen Fehler schon vorher gemacht haben? Da wollen aber viele Pyrmonter nicht mitmachen. Auch weil die Touristen nach Bad Pyrmont kommen, um das Einzigartige, das Andere zu sehen und zu erleben. Aber es ist klar: Die vielen Denkmäler der Stadt zu bewahren, ist keine leichte Aufgabe. Doch die ist leichter zu bewältigen, wenn ein Bürgermeister tatkräftig, mitreißend und begeisternd vorangeht. Kaputtmachen kann jeder.

Die drängende Aufgabe nach der Welterbe-Pleite muss jetzt endlich heißen: Die Stadt weiterentwickeln unter Beachtung der eigenen Geschichte und Identität. Auf dieser Grundlage kann man kluge und zündende Ideen entwickeln. Und da sind alle Pyrmonter gefordert, und erst recht natürlich der Bürgermeister. Denn er stellt die Weichen für eine attraktive Stadt und er kann verhindern, dass Bad Pyrmont ein gesichts- und geschichtsloses Konglomerat aus Betonklötzen wird.