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Ein Leserbrief von veröffentlicht am 27.05.2021 um 19:55 Uhr

In einem desolaten Zustand

Obwohl ich selbst glücklicherweise das tägliche Pendeln mit der S-Bahn nach Hannover nach 18 Jahren aufgeben konnte, verfolge ich mit Inte-resse nach wie vor alle Informationen rund um den Bahnhof in seinem desolaten Zustand. Die im heutigen Artikel beschriebenen Zustände kann jeder Reisende bestätigen, und die Zusammenhänge rund um Eigentumsverhältnisse und Zuständigkeiten geben nur noch Anlass zu Kopfschütteln und Unverständnis. Bekannte „Kollateralschäden“ der Privatisierung der öffentlichen Hand! Die erwähnte Reisende hat mein vollstes Mitgefühl und ist nicht die Einzige, die hier Probleme mit der Hygiene hat. Jeder Mensch, der die Möglichkeit dazu hat, vermeidet tunlichst den Gang zur öffentlichen Toilette, sei es im Bahnhof oder in der S-Bahn oder sonstwo im öffentlichen Raum. Verdreckung und Gestank sind hier der Normalfall, und der Artikel lässt vermissen, dass die Alternative zu diesem WC am Bahnhof nicht alleine – wie beschrieben – die Toiletten auf dem Marktplatz sind, sondern ebenso die Büsche und Bäume am Parkplatzsaum des Bahnhofs. Regelmäßig habe ich erlebt, wie Passagiere und besonders auch Fahrer der auf dem Bahnhofsvorplatz wartenden Taxis dort ins Grüne uriniert haben. Dass sie dabei zufällig direkt vor meiner Windschutzscheibe standen, während ich meinen Wagen anließ, ist deutlich mehr als einmal vorgekommen. Da schwanken die eigenen Empfindungen schon irgendwie zwischen Verständnis, Mitleid und Ekel. Der Artikel beschreibt also altbekannte Zustände, rührt aber wieder auf, was ich kürzlich beim Lesen einer Forderung der Grünen im Rat der Stadt Hameln zum Thema Gegensteuerung zur so genannten „Periodenarmut“ empfunden habe, nämlich Schnappatmung. Schon da war ich versucht, mittels Leserbrief meinem Ärger Luft zu machen, habe dann aber beschlossen, dass der besagte Artikel vermutlich nichts anderes als Satire sein kann. Wie anders wäre die Forderung zu erklären, auf öffentlichen Toiletten flächendeckend kostenlose Hygieneartikel auszulegen, wo jeder Mensch (ob mit oder ohne Uterus, haha) weiß, dass sich glücklich schätzen kann, wer eine öffentliche Toilette vorfindet, die – wenn geöffnet – auch – noch halbwegs sauber und dazu noch mit Toilettenpapier ausgestattet ist, von Seife und Handtuch mal ganz zu schweigen! Nicht vorhandene Damenhygieneartikel bilden hier eher ein Luxusproblem. Das bestätigt Ihnen sicher auch die zitierte Pyrmonter Pendlerin.