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Ein Leserbrief von veröffentlicht am 08.10.2021 um 12:23 Uhr

In ein falsches Licht gerückt

Zu: „Pastorin sorgt für Irritation“, vom 18. September


Ein verantwortungsvoller Journalismus sollte bei der Berichterstattung stets darauf achten, dass weder Klischeevorstellungen geschürt noch redliche Personen des öffentlichen Lebens in ein falsches Licht gerückt werden. Ein solches Bestreben wurde bei der Fuhlener Pastorin leider nicht beherzigt. In Reden über den Holocaust und die Lehren daraus für die Gegenwart ist es unumgänglich, auch auf aktuelle gesellschaftspolitische Diskurse einzugehen. Allerdings birgt das Ziehen von Parallelen zwischen unterschiedlichen Geschehnissen grundsätzlich immer auch das Risiko, missverstanden zu werden. Missverstanden zu werden, ist aber eine Sache und eine andere ist es, eine renommierte Theologin in eine bestimmte Schublade zusammen mit Impfgegnern stecken zu wollen. Das zuletzt genannte Verhalten muss als Diskreditierung bezeichnet werden. Denn tatsächlich hat die Seelsorgerin in ihrer Rede für mehr Toleranz, Respekt und die Einhaltung von Freiheitsrechten geworben. Und ja, eine Pastorin darf sich auch zu politischen Themen äußern. Doch welche Aussagen der Seelsorgerin waren eigentlich so irritierend? Sie hat dargelegt: 1. Gesichtsmasken verdammen zur Ausdruckslosigkeit und lassen die Individualität nicht erkennen. Warum sollten Menschen also noch Masken tragen, wo keine Maskenpflicht mehr besteht. 2. Unerwünschte Personen werden in den sozialen Netzwerken ausgegrenzt. Das führt zu einer inakzeptablen Spaltung in unserer Gesellschaft. 3. Viele Schulkinder verinnerlichen immer mehr übernommene Verhaltensmuster, statt eine eigene unabhängige Persönlichkeit zu entwickeln. 4. Es ist falsch, Kinder bei Eingriffen in die körperliche Integrität wie zum Beispiel bei einer Impfung zu nötigen. Ein solcher Zwang verstößt nämlich gegen Artikel 12 der UN-Kinderrechtskonvention. – Was soll an diesen Standpunkten impfkritisch sein? Tatsächlich vorwerfbar ist allenfalls eine generelle Wissenschaftsskepsis in der Kirche. Früher haben sich Gläubige mehr auf ihr Gebet verlassen, um geheilt zu werden. Inzwischen werden Verdienste der Wissenschaft auch von streng religiösen Menschen zusehends anerkannt.