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Ein Leserbrief von veröffentlicht am 08.02.2021 um 12:13 Uhr

Zu: „Mehr Rückhalt gewünscht“, vom 2. Februar

Ignoranz der Veranstalter

Seit einem Jahr müssen alle Bürger aufgrund der Pandemie mit zum Teil erheblichen Einschränkungen im privaten wie auch im öffentlichen Leben zurechtkommen. Viele Menschen haben ihren Arbeitsplatz verloren oder werden ihn nach dem hoffentlich baldigen Ende dieser Ausnahmesituation noch verlieren.
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Zahlreiche Unternehmen der mittelständischen Wirtschaft sind von der Insolvenz bedroht. Obwohl die Gastronomie und das Friseurhandwerk zum Beispiel unter Einsatz erheblicher finanzieller Mittel ihr Möglichstes getan haben, um den Hygienevorschriften gerecht zu werden und so die Fortführung ihres Betriebs zu ermöglichen, werden sie von der Politik ausgebremst. Um so unverständlicher ist die Genehmigung einer Veranstaltung mit 120 (!!) Personen durch die zuständigen Behörden, auch wenn diese unter dem Deckmantel der Religionsfreiheit wahrscheinlich nicht anders entscheiden konnte.

Da zahlreiche Personen von weit her angereist sind in Zeiten, wo Übernachtungen in Hotels nicht möglich sind, stellt sich die Frage, wo dieser Personenkreis übernachtet hat, zumal jeder Haushalt nur eine Person aus einem anderen Haushalt aufnehmen darf. Was empfinden Kinder und junge Menschen, die nicht in ihre Schulen gehen können, weil diese seit Wochen geschlossen und von einem Regelbetrieb weit entfernt sind, obwohl auch die Schulen ihr Möglichstes tun, um den AHA-Regeln zu entsprechen? Welche Antworten können die Verantwortlichen dieser Veranstaltung allen von der Pandemie betroffenen Menschen unserer Gesellschaft geben, wenn diese sich fragen, warum hier eine Art von Gottesdienst gefeiert werden muss und leider auch darf, während große Teile unserer Gesellschaft unter den wirtschaftlichen Folgen und fehlenden Bildungschancen langfristig leiden werden.

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Sich dann noch enttäuscht von der Stadtverwaltung zu zeigen, dass diese im Vorfeld von der Durchführung der Veranstaltung abgeraten hat, weil man „seit 60 Jahren in der Stadt sei“, zeigt die Ignoranz, mit der die Veranstalter der solidarischen Notwendigkeit gemeinsamer Einschränkungen und Rücksichtnahme in dieser aktuellen Ausnahmesituation für alle (?) gegenübertreten.