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Zu: „Ein teurer Schluck Kaffee“, vom 7. Januar

Ich schäme mich für meine Heimatstadt

Da ich das Ansehen und die Menschenfreundlichkeit meiner Heimatstadt zunehmend gefährdet sehe, fühle ich mich genötigt, auch in Zeiten riesiger Herausforderungen, Hameln drei Vollpfosten zukommen zu lassen, die sich die Stadt „redlich verdient“ hat.

veröffentlicht am 25.01.2021 um 15:51 Uhr

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Zur Begründung: Den ersten Vollpfosten hat sich die Stadt mit der Entscheidung verdient, die Investitionen in den dringend notwendigen Ausbau der Radwegeinfrastruktur in den nächsten Jahren trotz Fördermöglichkeiten zu kürzen und das in einer Zeit, in der das Rad das umweltfreundlichste und zugleich – bezüglich der Gesundheit – sicherste Verkehrsmittel ist. Chapeau für diesen anachronistischen Beschluss.

Den zweiten Vollpfosten verdient sich die Stadt mit der mehrheitlichen Entscheidung, demnächst aus angeblich verkehrssicherheitstechnischen Gründen rund 160 Bäume am Straßenrand Richtung Holtensen zu beseitigen (ursprünglich war sogar die Fällung von über 200 auch gesunden Bäumen geplant), und das in einer Zeit, in der wir eigentlich um den Erhalt möglichst aller Bäume kämpfen müssten. Gleichzeitig klagen wir Brasilien an. Plötzlich spielen Sicherheitsgründe eine Rolle, die aber offensichtlich in Bezug auf Radfahrer weniger Bedeutung haben. Nebenbei wird die letzte schöne Einfahrt in die Touristenstadt Hameln nachhaltig verschandelt.

Aber die angeblich gefährdete Sicherheit der Autofahrer ist eben wichtiger als eine grüne Lunge (CO2-Speicher). Das ist einen hölzernen Vollpfosten (vielleicht aus einem gefällten Baum?) wert.

Den dritten hat sich die Stadt gerade verdient, indem sie einer Besucherin Hamelns ein Bußgeld von 100 Euro und 28,50 Euro Gebühren auferlegte, weil sie einen kurz zuvor erworbenen Becher Kaffee in einer kleinen Seitengasse mit heruntergezogenem Mund- und Nasenschutz (was in ihrer Heimatstadt erlaubt ist) getrunken hat. Die schnell anwesenden exekutierenden Polizisten haben offensichtlich keine Erklärung zugelassen. So vergrault man die letzten Besucher in einer fast menschenleeren Fußgängerzone. Ein mahnender Hinweis auf in Hameln geltende Regelungen hätte völlig ausgereicht. Diese Dame wird unsere Stadt wohl nie wieder aufsuchen.

Ich musste mich sofort an 1284 erinnern. Offensichtlich wird seitens der Verantwortlichen immer noch daran gearbeitet, den damals erworbenen schlechten Ruf hinsichtlich Hamelner Gastfreundschaft zu konservieren. Ich schäme mich für meine Heimatstadt, die auch diesen Vollpfosten leider komplett verdient hat.



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