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Ein Leserbrief von veröffentlicht am 01.06.2021 um 21:06 Uhr

Höllischer Lärm

Während Sie den Bettenturm zur Geschichte erklären, habe ich zunehmend den Eindruck, dass das einstige Vorzeigebad Pyrmont Geschichte wird. Wir leben und arbeiten hier seit 30 Jahren und haben erlebt, wie sich diese Stadt negativ verändert hat. Hier muss ich nicht aufzählen, wie viele Häuser verfallen, Geschäfte eingegangen sind etc. Das aber Pyrmont (das „Bad“ sollte man aus dem Namen streichen können) jetzt nicht einmal für gehörlose Menschen empfohlen werden kann in der Hoffnung, dass sie den höllischen Lärm des Abrissbaggers der ehemaligen DAK-Klinik nicht so schlimm wahrnehmen, ist angesichts des Fehlens eines HNO-Arztes vor Ort leider auch wahr. Wenn der Verwaltungschef der Klinik über die Geduld der Nachbarn angesichts des Baulärms und anderer Einschränkungen Zufriedenheit zeigt, dann verwechselt er Geduld mit Resignation. Nicht nur die unmittelbaren Nachbarn und die anderen Bewohner der Nordstadt sind durch das Dauerhämmern (von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, auch samstags und während der landesüblichen Mittagsruhezeit zwischen 13 und 15 Uhr) alteriert, vielmehr sind auch die Patienten diverser Kurkliniken betroffen. Man darf zwischen 13 und 15 Uhr kein Glas in aufgestellte Glascontainer werfen, der Hammer des Abrissbaggers darf zuschlagen. Mit der Genehmigung des Bauprojekts hat die Lokalpolitik erhebliche Naturzerstörung akzeptiert (auf der Wiese südlich der Klinik konnte man immer wieder Rotwild beobachten). Hat sie aber auch den monatelangen extremen Lärm, der sehr wohl auch Naturzerstörung bedeutet und übrigens für das Wild im direkt angrenzenden Wald furchtbar sein muss, so gering eingeschätzt, dass man die Lebensqualität vieler Bürger und Gäste gefährden darf?

Wir Nachbarn sind natürlich auch durch die Baufahrzeuge, die die Straße verstopfen und den Verzicht auf Parkmöglichkeiten für die Anwohner, die keine eigene Garage haben, angefressen. Wie viel ist der Lokalpolitik das Wohl der eigenen Bürger wert?

Sollten Sie wieder über die Baustelle berichten, so sprechen Sie bitte mit den Anwohnern der Nordstadt, den Klinikmitarbeitern der Kurkliniken, den Pächtern der grandios gepflegten Kleingartenanlage gegenüber der Baustelle. Viele hatten sich in der Vergangenheit mehr oder weniger an den Anblick des DAK-Hochhauses gewöhnt. Sollte man aber fragen, welches Hochhaus endlich beseitigt werden müsse, so werden wohl alle auf die 1000 Meter westlich vor sich hin verrottende „Bomberg-Klinik“ verweisen. Persönlich hatten meine Frau und ich uns nach der Aufgabe unserer Kinderarztpraxis vor sechs Jahren entschieden, angesichts der schönen Landschaft, den gewachsenen Freundschaften und der Ruhe in der Nähe des Waldes nach einem sehr arbeitsreichen Leben in Pyrmont zu bleiben und nicht in unsere Heimatstadt Berlin zurückzugehen. Es war wohl die falsche Entscheidung.

Prof. Dr. Wolf-Rainer Cario Bad Pyrmont