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Ein Leserbrief von veröffentlicht am 04.02.2020 um 00:12 Uhr

Alte Sicherheiten brechen weg

Hier stimmt etwas nicht mehr

Dirk Schmaler versucht sich an einem Thema, welches weit über die Soziologie hinaus reicht und das eigentlich Selbstverständliche meint, und zudem unser Leben in vielen Facetten, Haltungen, Gedanken, Werte- und Empathievorstellungen berührt und bestimmt. Kurzum, es handelt sich um ein über 2000 Jahre altes Kulturphänomen, welches bei den Griechen philosophisch im Mittelalter theologisch angegangen wurde.

Zu: „Was ist normal?“, vom 11. Januar
Dirk Schmaler schreibt: „Das Gewohnte gilt nicht mehr und das Vertraute verschwindet. Das macht vielen Angst und führt zu Ausgrenzung, Hass und Unsicherheit.“ Hier verliert die Normalität auch durch Globalisierungseffekte das wertende Empfinden und wird immer schneller zum gesellschaftlichen Streitfall. Letztendlich kann das zu Hass und Gewalt, pathologischen Einschätzungen und angstbesetzten Verhaltensmustern wie Unterordnung und dem Ruf nach starken Persönlichkeiten, Populisten und Ideologien führen. Dazu passt die neuere Entwicklung, dass Populisten und Ideologien führen. Dazu passt die neuere Entwicklung, dass Populisten und Ideologen rationale Fakten leugnen, bei komplexen Sachverhalten einfache Lösungen anbieten und provozierende Thesen aufstellen.

Fakt ist, wir sehen heute vieles in Bewegung, alte Sicherheiten brechen weg. Gleichzeitig setzt im politischen, arbeitsrechtlichen und kirchlichen Raum ein massives Schwinden der Kritik- und Gesprächsfähigkeit ein. Eine gewisse Sprachlosigkeit scheint die gesamte Gesellschaft erfasst zu haben. Symptomatisch dafür: In Deutschland wachsen um Vorgärten und Eigentum Hecken und Mauern real immer höher und dichter. Dem steht allerdings in den sozialen Medien des Internets ein Heer von mitteilungsbedürftigen und kritikbeladenen/-freudigen Menschen gegenüber. Hier stimmt etwas nicht mehr. Das Verhältnis ist nicht mehr normal.

Dirk Schmaler empfiehlt mit Artikel 2 des Grundgesetzes, der Normalität auf die Sprünge zu helfen. Maybrit Illner hat für ähnliche Problemlagen den immer gleichen Satz: „Wir müssen reden.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.