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Ein Leserbrief von veröffentlicht am 16.08.2021 um 13:23 Uhr

Gemeinwohl statt Gewinn

Zu: „Dritter Anlauf für die Megafusion“, und zu: „Der nächste Investor kommt“, vom 3. August


16 Jahre Merkel-Ära haben uns in Teilen wachsweiche Politiker beschert und zu einer bisher nicht gekannten Selbstentmächtigung des Staates und einer einhergehenden Privatisierung und Veränderung unserer Gesellschaft geführt. Darüber zu berichten, fällt unseren in Freiheit arbeitenden Tageszeitungen schwer. Nun stehen wir im Wahlkampf, und Corona ist Teil unseres Alltags. Und auf neue, unerfahrene Politiker kommen „unerledigte“ Aufgaben zu. Aber es braucht Politiker, die Klartext reden und sich was trauen. Und es braucht Journalisten, die nicht nur der „unsichtbaren Hand“ das Terrain bereiten. Die Dewezet-Ausgabe vom 3. August 2021 offenbart, was Redakteure in den Beiträgen „Dritter Anlauf für die Mega-Fusion“ und „Der nächste Investor kommt“ offenbar für eine gelungene „gemeinwohlorientierte“ Wohnungspolitik ansehen. Im Unterschied zu den sozialen Medien im Internet verstärkt das Medium Tageszeitung die Liberalisierung des Wohnungsmarktes, ohne zum Beispiel auf unser ungerechtes Steuersystem zu verweisen, welches privates Groß-Kapital privilegiert. Und Mietwohnungen durch privates Groß-Kapital zeitlich streckt und wegen der höheren Rendite zu Luxus- Wohnungen hochstilisiert und so den sozialen Wohnungsbau in die Knie zwingt! Somit bildet die Dewezet nur die halbe Wahrheit unserer Gesellschaft ab.

Zur Selbsthygiene unserer journalistischen Arbeit gehört deshalb, dem Irrglauben zu widersprechen, dass privatisierte Infrastruktur (Wohnungen, Krankenhäuser, Dienst- leistungen etc.) besser, billiger, effizienter und auch noch bürgernäher sei. Diesen Leserbrief richte ich besonders an alle Leser und Leserbrief-Autoren. In unseren Köpfen, auch in den Köpfen unserer professionellen Journalisten, gehört wieder das Korrektiv „Gemeinwohl statt Gewinn“. Sonst wird das nichts mit der Erneuerung unserer Demokratie! Außerdem: 80 Prozent unserer Bevölkerung sprechen sich gegen weitere Privatisierungen aus! Es wäre schön, wenn auch in Wirtschaftsteilen der Dewezet dieser „Gemeinwohl-Autrag“ einen stabilen Platz finden würde.