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Ein Leserbrief von veröffentlicht am 22.10.2021 um 22:13 Uhr

Leserbrief

Folge der vom Bauernverband beförderten Ideologie

Zu: „35 Euro Verlust pro Ferkel“, vom 18. Oktober

Die Situation der Landwirte ist die logische Folge der seit langem vom Deutschen Bauernverband (DBV) beförderten Ideologie des „Wachse oder weiche!“ Das Hohe Lied auf die angeblichen Chancen des Weltmarktes erwies sich nur als Fata Morgana.

Durch sie wurden die Erlöse der Landwirte je Produktionseinheit permanent gedrückt, so dass sie immer mehr produzieren beziehungsweise immer mehr Tiere halten mussten, um ihren Lebensunterhalt über die Menge zu verdienen. Außerdem hieß es stets, dass die deutschen Landwirte die Welternährung durch Exporte sichern sollten. Dabei ist die Abhängigkeit vom Weltmarkt und dessen relativ niedrigen Erzeugerpreisen eine Mitursache für die ruinösen Erlöse.

Wegen der Afrikanischen Schweinepest brechen immer wieder Exportmärkte weg, so dass die Erlöse für Schlachtschweine abstürzen. Wegen der Milchseen und Butterberge wurde 1984 von der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft die Milchquote eingeführt. Mit ihr konnten eklatante Überschüsse verhindert werden. Nicht zuletzt, weil auch der Bauernverband die Abschaffung der Milchquote mit der Begründung forderte, sie passe nicht zur freien Marktwirtschaft, wurde seit 2015 wieder „auf Teufel komm raus“ Milch produziert. Die Folge war ein katastrophaler Preisverfall auf zeitweise unter 16 Cent pro Liter, den viele Milchviehbetriebe nicht überlebten. Hohe DBV-Funktionäre verdienen „Zubrote“ als Mitglieder von Aufsichtsräten und Vorständen der nachgelagerten Unternehmen der Wertschöpfungskette; mehr Infos gibt es beim „Forum Moderne Landwirtschaft“ (FML). Herr Rukwied ist Vorsitzender, sein Vize Holzenkamp Präsident des Deutschen Raiffeisenverbandes. Unter den 60 Trägerverbänden des FML befinden sich BASF, Bayer CropScience, Bundesverband für Tiergesundheit, Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft, Raiffeisenverband, Industrieverband Agrar, K+S Kali & Salz, Nordzucker, Südzucker, Syngenta Agro, Verband der Chemischen Industrie. Im Beirat ist auch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft vertreten.