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Ein Leserbrief von veröffentlicht am 07.11.2019 um 21:05 Uhr

Nicht der „große“ Heimatforscher

Fehlleistungen

Entgegen landläufiger Meinung ist Friedrich Kölling nicht der „große“ Heimatforscher gewesen, als der er bis heute unverdienterweise gesehen wird. Vor allem zeichnen sich seine Veröffentlichungen zur Baxmannsage mehr durch Obsession denn durch volkskundliche Qualifikation aus.

Zu: „Großer Heimatforscher – aber auch Nazi“, vom 22. Oktober


Zudem ist in diesen Publikationen teilweise ein fragwürdiger Umgang mit historischen Quellen nachweisbar, der bis zu kontrafaktischen Darstellungen gehen kann.

Dafür sei im eingrenzenden Rahmen eines Leserbriefs nur dies eine Beispiel angeführt: Cordt Baxmann ist seinerzeit in den Rechnungsbüchern der Stadt Hessisch Oldendorf unter der im 17. Jahrhundert üblichen Amtsbezeichnung „Thurnman“ (Türmer/Turmbläser) geführt worden. Ich habe bereits im Jahr 2000 zu Köllings Fehlleistungen als Heimatforscher u. a. nachgewiesen, dass er Baxmanns historische Amtsbezeichnung „Thurnman“ zu „Tornemann“ verballhornt hatte.

Ob aus intellektuellem Unvermögen oder weil ihm vielleicht aus ideologischen Gründen die historisch korrekte Amtsbezeichnung „Thurnman“ nicht „mittelalterlich-altdeutsch“ genug klang, sei dahingestellt. Und so wurde in der öffentlichen Wahrnehmung aus Baxmann – dank Kölling! – der „Tornemann“. Nur ist dies leider keine philologische Petitesse. Die auf Cordt Baxmann fußende Sage ist das Fundament der Fremdenverkehrswerbung der Stadt Hessisch Oldendorf. Und dieses Fundament ist bis heute durch die Art von Köllings ‚Aufarbeitung‘ des überlieferten Baxmann-Materials kontaminiert. Man schaue sich deren Folgen nur einmal im Internet an.