weather-image
×
Ein Leserbrief von veröffentlicht am 24.07.2020 um 21:46 Uhr

S-Bahn-Verkehr

Fahrplanänderung bringt kaum Nachteile

Zu: „Adieu, S-Bahn“, vom 21. Juli
Die Linie S 5 soll laut Nahverkehrsplan 2020plus nördlich von Hannover mit der Linie S 4 getauscht werden. Dies bedeutet, dass die S 5 künftig nach Bennemühlen fährt und die S 4 zum Flughafen. Außerdem soll die S 5 nicht wie bisher in Paderborn, sondern erst in Hameln beginnen und im 30-Minuten-Takt fahren.
Anzeige

Die bisherige Sprinterlinie S 51 soll im Gegenzug nicht in Hameln beginnen, sondern in Paderborn und im Stundentakt bis Hannover Hauptbahnhof fahren. Dies ergibt folgende Veränderungen: Einsteiger zwischen Paderborn und Emmerthal nutzen automatisch die Expressverbindung nach Hannover Hauptbahnhof, die ab Hameln nur noch in Springe und dann erst wieder ab Hannover-Linden/Fischerhof überall hält. Dies ist ein Vorteil, der fast allen oben genannten Einsteigern zugute kommt, da die Fahrzeit aufgrund weniger Halte kürzer ist, als mit der S-Bahn und außerdem die RE in Niedersachsen mit anderen Fahrzeugen u.A. mit bequemeren Sitzen gefahren werden, was den langen Gesamtahrzeiten von Hannover bis nach Paderborn deutlich gerechter wird. Dem gegenüber steht der Nachteil, nicht mehr ohne Umsteigen zum Flughafen zu kommen.

Aber haben die zitierten Kritiker jemals die S 5 genutzt und in Hannover Hbf mal beobachtet, was passiert, wenn der Zug hält? Es steigen fast alle Fahrgäste (gefühlt 95 %) aus dem Zug aus und jede Menge neue Fahrgäste ein. Warum? Weil sie gar nicht zum Flughafen wollen, sondern einen Anschlusszug oder die Stadtbahn erreichen oder in die Innenstadt wollen. Die allermeisten Fahrgäste betrifft der Linientausch also gar nicht. Und die, die es doch betrifft, würden im aktuellen Fahrplan zur Minute 03 aus der S 5 aussteigen und am gleichen Bahnsteig zur Minute 10 mit der S 4 weiter zum Flughafen fahren. Das entspricht einer Wartezeit von 7 Minuten. In der Gegenrichtung sind es ebenfalls 7 Minuten. In dem Artikel wird es jedoch wie der Weltuntergang verkauft. Glauben Sie ernsthaft, dass Fluggäste nun nicht mehr nach Bad Pyrmont kommen, weil sie in Hannover am Hauptbahnhof umsteigen müssen? Flughäfen liegen nun mal nicht wie Hauptbahnhöfe mitten in der Stadt. S 4 und S 5 fahren zwischen Hameln und Flughafen im 30-Minuten-Takt. Daher sind auch bei Anschlussverlusten keine langen Wartezeiten zu befürchten. Lediglich der RE soll stündlich verkehren, aber für den gibt es eine viel bessere Lösung: Viel interessanter ist nämlich die Frage, warum man nicht von der Region fordert, den Zielfahrplan 2030 des Deutschlandtaktes für diese Linien gleich komplett umzusetzen. In diesem verkehrt der neue RE nämlich nicht nur bis zum Hbf, sondern von Paderborn bis zum Flughafen Hannover. Damit wäre die stündliche Direktverbindung beibehalten. Außerdem soll nach diesem Zielfahrplan eine der beiden stündlichen S5 zwischen Bennemühlen und Hameln bis nach Bad Pyrmont verlängert werden. Dies käme einer deutlichen Angebotsverbesserung gegenüber dem jetzt schon guten Status quo gleich. Infrastrukturausbauten sind für die Umsetzung dieser Änderungen nicht erforderlich, daher kann dies also auch zeitnah umgesetzt werden. Die Dewezet hat bereits zweimal über diese Planungen berichtet. Schade, dass dies offenbar keiner der Kritiker wahrgenommen hat.

Das könnte Sie auch interessieren...