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Ein Leserbrief von veröffentlicht am 09.08.2021 um 09:38 Uhr

Es muss endlich gehandelt werden!

Zu: „Alte Wunden schmerzen wieder“, vom 27. Juli


In dem Artikel findet sich der alarmierende Satz: „Je länger historische Immobilien ungenutzt herumstehen, desto größer die Gefahr, dass irgendwann der Bagger anrollt.“ Allein in Bezug auf das jahrzehntelang unsaniert gebliebene Kurtheater wird diese Gefahr und damit der endgültige Verlust eines wichtigen Teils der kulturellen Identität Bad Pyrmonts sehr konkret! Da hilft keine wohlfeil-hilflose Schutzbehauptung, „es gäbe dafür eine Perspektive…“!!

Die einzige Frage ist: was wird tatsächlich unternommen, um dem Theater wieder seine Bedeutung als Stätte der Kultur aber auch als angemessenem Begegnungsort der Stadtgesellschaft wiederzugeben? Das historische „Schauspielhaus“ von 1818 war nicht nur das vom Theaterprinzipal und Ehrenbürger Pyrmonts, August Pichler, erbaute und von seiner angesehenen Theatertruppe 40 Jahre lang erfolgreich bespielte Theater, sondern es bildete vor allem unter den nachfolgenden Intendanten Körner, Altmann, Ulbrich und Stutzmann bis 1926 ein wesentliches kulturelles Zentrum von Bad Pyrmont. Und noch in den Jahren 1945 bis 1948 nimmt das Theater mit seinem engagierten Ensemble unter Sigrid Salten-Werminghoff eine Sonderstellung unter allen vergleichbaren Theatern der damaligen Zeit ein! Um allein die besondere Bedeutung des Theatergebäudes für die Stadt zu verdeutlichen sei nur auf den aktuellen „Denkmalatlas Niedersachsen“ verwiesen, in dem es heißt: „Es ist das einzige bis heute erhaltene Theatergebäude aus der Zeit des klassischen deutschen Theaters in ganz Niedersachsen“.Die (noch dazu unverhältnismäßig teure) Kosmetik der Außenfassade dieses stillgelegten Theaters ist aber als einzig genannte Maßnahme weniger als nichts! Sie täuscht Substanz nur vor – von einem Gebäude ohne Funktion, das folgerichtig irgendwann entsorgt werden kann…! Doch es muss um die lebendige Funktion eines Theaters mit einem klaren Konzept für die Zukunft gehen – zum Wohle der ganzen Stadt! Der jetzt erneut beklagte „Rauswurf“ aus der Liste künftiger Weltkulturerbestätten ist leider nachvollziehbar, ein vergleichender Blick auf die Webseiten der aktuellen Gewinner Bad Ems, Baden-Baden und Bad Kissingen, aber auch von Bad Oeynhausen, macht den unterschiedlichen Umgang dieser Städte mit Kultur schmerzhaft deutlich…! Es muss aber nicht geklagt, sondern endlich gehandelt werden – jetzt!