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Ein Leserbrief von veröffentlicht am 11.03.2021 um 11:53 Uhr

Zu: „Was passiert mit Impfstoff-Überschuss?“, vom 3. März

Es existieren keine Ideen, wie mit Krisen umzugehen ist

Es ist nicht zu fassen. Seit über einem Jahr wissen wir, dass die Pandemie ohne flächendeckende Impfungen nicht zu beherrschen sein wird. Während Niedersachsen um den letzten Platz bei den Impfquoten der Länder kämpft, spricht man über „Impfstoff-Überschuss“? Da hört man in Niedersachsen von manuell (handschriftlich?) geführten Prioritätenlisten, da werden Excel-Listen schon als große Hilfe angepriesen.

Wurde seit einem Jahr nichts in diese Richtung getan, außer eine sündhaft teure App zu entwickeln, deren Nutzung gerade mal von 18 Millionen Bundesbürgern für sinnvoll gehalten wird? Wo ist die Software, die auf Knopfdruck für jede Kommune Personenlisten jeden Alters und jeder Berufsgruppe zur Verfügung stellt. Im Zuge der Pandemiebekämpfung sollte es doch möglich sein, diese Daten beizeiten zur Verfügung zu stellen und nicht auch noch pietätlos Verstorbene anzuschreiben.

Der niedersächsische „Krisenmanager“ Heiger Scholz bemüht sich bei jedem Interview, darauf hinzuweisen, dass Kapazitäten nicht ausreichen, dass Personal fehlt, dass Impfstoff fehlt, dass Daten nicht aktuell sind oder, oder ... Offensichtlich existieren keine belastbaren Ideen, wie wirklich mit Krisen umzugehen ist. Stattdessen wird ein neues Motto ausgegeben: „testen, impfen, lockern“. Wie Tests ablaufen sollen, wie sie wem zur Verfügung stehen und von wem sie wie anerkannt werden, steht in den Sternen.

Das Impfen bleibt notleidend. Woher soll die Lockerung kommen? Bundeswehrsoldaten, die aktuell ihren Dienst zur Nachverfolgung in den Gesundheitsämtern leisten, sollten vermehrt für und in den Impfzentren eingesetzt werden, sodass nicht über eine einzige Dosis Impfstoff-Überschuss gesprochen werden muss. Nur eine hohe Impfquote wird uns aus dieser Pandemie bringen.

Zum Abschluss sei gesagt, dass die Nutzung von Impfstoff-Überschüssen für die Impfung von „zufällig vor Ort befindlichen Krankenhausdirektoren, Verwaltungsmitarbeitern, Bürgermeistern, etc.“ in keiner Weise akzeptabel ist. Dieser Selbstbedienungscharakter untergräbt sämtliche Bemühungen anständiger Politiker und Verantwortlicher, einigermaßen geordnet dieser Pandemie zu entkommen.