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Zu: „Gedenken an Opfer der NS-Zeit“, vom 28. Januar und zu: ,„Stolpersteine werden geputzt“‘, vom 27. Januar

Erinnerung sollte konkret und greifbar sein

Sie beziehungsweise die dpa berichteten am 27. Januar über die Gedenkstunde an die Opfer des NS-Regimes im niedersächsischen Landtag und darüber, dass Elke Gryglewski (Leiterin der Stiftung niedersächsischer Gedenkstätten) die über Jahrzehnte von vielen abgelehnten Gedenkstätten nun Orte der Erinnerung an den Holocaust seien.

veröffentlicht am 08.02.2021 um 11:36 Uhr

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Ja, es ist in der letzten Zeit einiges passiert: Ein positives Beispiel ist sicherlich Salzhemmendorf mit der neu errichteten Gedenkstätte für die Kriegsgefangenen des Salzhemmendorfer Steinbruchs. Aber die Widerstände gegen bestimmte Erinnerungsorte sind 76 Jahre nach der Auschwitz-Befreiung auch hier nicht vollständig verschwunden. Zumindest steht das Bückeberger Reichserntedankfest im Fokus der öffentlichen Diskussion im Landkreis.

Viel erschreckender ist, dass sich in Sichtweite der Landkreisgrenze ein KZ-Außenlager befand, dessen Existenz zumindest in meinem Umfeld nicht bekannt ist: Das KZ Holzen bei Eschershausen. Die NS-Verbrechen fanden auch vor der eigenen Tür im Weserbergland statt. Eine direkte Verbindung zu den Lagern am Ith und Hils besteht auch für den Landkreis durch das Zuchthaus Hameln, dessen Insassen auch dort für die Errichtung unterirdischer Waffenproduktionsstätten Zwangsarbeit verrichten mussten. Das Bewusstsein, dass KZs nicht „nur weit weg“ waren, sondern sich auch hier im Weserbergland befanden, muss bei der breiten Bevölkerung geschärft werden.

Bezeichnend ist, dass kein Schild und keine Tafel heute auf das KZ an seinem ursprünglichen Standort aufmerksam machen. Erinnerung sollte konkret und greifbar sein, wenn auch Jugendliche abgeholt werden sollen.

Am greifbarsten ist etwas am Ort des Geschehens. Dazu können zum einen die Schulen einen Beitrag leisten, in dem sie aktiv über den Nationalsozialismus im Weserbergland aufklären und Orte des Geschehens besuchen. Aber auch Sie als Dewezet-Redaktion könnten mit einem mutigen, ausführlichen Bericht in Eigenredaktion die Menschen vor Ort informieren. Der von Ihnen verfasste Bericht „Zum Gedenktag werden Hamelns Stolpersteine geputzt“ ist dabei recht kurz geraten. Dieser Artikel geht nur auf die Entführung und Ermordung von Menschen aus Hameln durch die Nationalsozialisten ein. Die Nationalsozialisten sind aber bei weitem nicht irgendwelche Fremden, die 1933 aufgetaucht sind und 1945 einfach wieder verschwanden. Es sind Eltern, Großeltern und Urgroßeltern aus der gesamten Gesellschaft, die Teil des Regimes waren oder zumindest, häufiger wohlwollend, wegsahen.

Ich selbst kann mir der Rolle vieler meiner Urgroßeltern nicht sicher sein. Doch eins weiß ich gewiss: Teil des Widerstandes waren sie nicht. NS-Verbrechen und -Täter sind näher, als viele denken oder es wahrhaben wollen. Wir alle sollten einen tieferen und ehrlicheren Blick auf Hameln-Pyrmont und den NS wagen, um eine stabile Erinnerungskultur für die Zukunft zu entwickeln.



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