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Ein Leserbrief von veröffentlicht am 25.02.2020 um 21:22 Uhr

Erziehungsprobleme

Eltern kümmern sich zu wenig

Zu: „Viele Schüler psychisch auffällig“, vom 14. Februar sowie zu: „Psychische Probleme bei Schülern“, vom 18. Februar
Vor 60 Jahren haben unsere pädagogikfernen Eltern Vieles richtig gemacht. Sie haben mit uns gesprochen, mit uns zusammen die Mahlzeiten eingenommen, für Ruhephasen gesorgt, uns an ihrem praktischen Leben teilhaben lassen und uns – im wahrsten Wortsinn – mitlaufen lassen

. Wir lernten und orientierten uns (zuerst einmal) an ihrem Vorbild. Das führte zu Stabilität und Bindung.

Die folgende Situation gehört heute zum alltäglichen Straßenbild: Ein Kind sitzt in der Karre und deutet lebhaft, mit Brötchen in der Hand, auf die flatternden Tauben, das Flugzeug, den Hund… Der schiebende Elternteil ist in sein Smartphone vertieft und reagiert nicht. Er befindet sich in seiner eigenen Welt. Das Kind macht die Erfahrung, dass die digitalen Medien wichtiger sind als die direkte Auseinandersetzung und das reale Leben. Zum Spaß der Erwachsenen kann es, noch bevor es läuft oder spricht, über den Bildschirm wischen, bemüht, dem Vorbild zu entsprechen. Mit einem Jahr kommt es dann in die Krippe, ob gruppenfähig oder nicht. Dort soll es dann alles lernen. Die Verantwortung liegt ab sofort nicht mehr in der Hand der Eltern. Bequem, oder? Mir ist bewusst, dass es auch die „anderen“ Eltern gibt, die ihr Bestes geben.