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Ein Leserbrief von veröffentlicht am 17.11.2021 um 10:02 Uhr

Ein weiter Weg bis zu einem Ohrberg-Friedhof

Zu: „Bestattungen bald auf dem Ohrberg?“, vom 26. Oktober


Unsere Bestattungskultur befindet sich unverkennbar in einem gestalterischen Wandel. Der momentane Trend geht immer mehr weg von der altherkömmlichen Beerdigung hin zu pflegefreien Bestattungsarten wie unter einem Baum oder auf See.

Neben den vielen Vorteilen für die Angehörigen erschließt sich den Betreibern mit den alternativen Begräbnisstätten ein sehr lukratives Geschäftsmodell. Dieser wirtschaftliche Aspekt ist vielerorts ein Grund dafür, weshalb die behördlichen Genehmigungen nicht erteilt werden. Eine progressive Konkurrenz ist eben zu den kommunalen Friedhöfen nicht erwünscht. Aber mehr noch scheitert eine Realisierung an ökologischen Aspekten. Eine solche Befürchtung besteht auch beim Ohrberg.

Wie man weiß, ist der historische Ohrbergpark ein anerkanntes Landschaftsschutzgebiet (LSG HM 00033 Wesertal), in dem rechtlich gesehen nur sehr beschränkte Nutzungsmöglichkeiten bestehen. Unwägbarkeiten für Natur und Umwelt ergeben sich aus den Schwermetallen in Humanaschen. Dabei handelt es sich vor allem um Rückstände wie Blei, Cadmium, Phosphor, Zink und sonstige Elemente. Solche chemischen Stoffe können womöglich das Trinkwasser für Klein Berkel und Ohr kontaminieren. Für beide Ortschaften befindet sich nämlich in nicht weiter Entfernung von dem geplanten Bestattungsareal ein wichtiger Hochbehälter mit einem beträchtlichen Wasserreservoir. Eine weitere Schwierigkeit besteht in der Gewährleistung der unerlässlichen Verkehrssicherheit. In Bestattungswäldern haben nämlich die Waldeigentümer eine spezifische Verkehrssicherungspflicht. Der übliche Haftungsausschluss für waldtypische Gefahren gilt hier also nicht. Weiterhin muss für freie Zufahrten und Wege gesorgt werden, die dann auch für Rollstühle und Rollatoren befahrbar sind. Hinzu kommt eine Vielzahl an Pflegemaßnahmen mit regelmäßigen Baumkontrollen. Insgesamt gesehen ist es also noch ein weiter Weg, bis der Ohrberg mit einer letzten Ruhestätte eine zusätzliche Wertschätzung erfahren kann.