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Ein Leserbrief von veröffentlicht am 16.08.2021 um 13:19 Uhr

Ein unnötiger und gefährlicher Versuch!

Zu: „Genug Platz für alle?“, vom 5. August


Hameln hat hohe Schulden und ist, wie unlängst berichtet, im Armenhaus Niedersachsens angekommen. Dem trägt die Stadt nun Rechnung und hat deshalb von veranschlagten 40 000 Euro, die sie ja eigentlich gar nicht haben kann, bisher „nur“ 15 000 Euro ausgegeben und das für einen Versuch, dessen Umsetzung weitere Steuergelder verschlingen wird. Die Moral von dieser Geschicht, logisch ist das nicht!

Ein unnötiger, teurer Versuch in einer Straße, die quasi verkehrsberuhigt ist. Bis heute wich man einfach aus. Das konnte man, denn es war ja genug Platz da. Dass die Wegnahme des ebenfalls nicht durchdachten Stoppschildes schnell akzeptiert wurde, liegt wohl eher daran, dass dieser Unsinn, der ja ebenfalls Steuergelder kostete, nicht lange andauerte und man froh ist, dass dieses verkehrsgefährdende Übel endlich wieder weg ist.

Die Meinung von Touristen, welche nach wenigen Stunden die Stadt verlassen, kann kaum ein Maßstab für die Notwendigkeit beziehungsweise Beliebtheit derartiger Maßnahmen sein. Sie müssen nicht damit leben. Dass hier die Theorie wieder einmal über die Praxis siegte, sieht man auch daran, dass ein Funktionieren an Metern und Zentimetern festgemacht wird. Da steht es geschrieben (auch wieder von Bürokraten festgelegt), Gehirn ausschalten und durch! Die Erfahrung zeigt, dass Theorie das eine, Praxis aber etwas anderes ist. Wenn jeder bei Gegenverkehr wartet, ist das theoretisch schön, tritt aber praktisch nicht immer ein. So kann es in der Praxis leicht zu Unsicherheiten kommen. Es ist nämlich ein wesentlicher Unterschied, ob jemand aus Höflichkeit wartet oder aus Angst. Letzteres kann lebensgefährlich sein, denn es provoziert Unfälle durch Fehlreaktionen. Ärger und Wutreaktionen sind dann noch eine ganz andere Di-mension.

Es wäre gut, wenn die Theorie sich an der Praxis orientieren würde, und nicht der Praxis theoretische Spielereien aufzwingt. Insofern sollte vor allem die Politik wach werden, wenn schon in den ersten Tagen sogar diejenigen beschimpft werden, die nun wirklich am wenigsten an dem gefährlichen Unsinn ändern können, die Arbeiter, die ihn ausführen müssen.

Wieder einmal brüteten weltfremde Bürokraten, die einen sicheren Arbeitsplatz haben und meist nicht dort wohnen müssen, einen grob fahrlässigen Unsinn (vorsichtig ausgedrückt) auf dem Rücken der Anwohner und Nutzer aus! Und die Moral von der Geschicht: Verengung von Fahrbahnen schafft Sicherheit nicht!