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Ein Leserbrief von veröffentlicht am 14.05.2021 um 13:44 Uhr
aktualisiert am 14.05.2021 um 14:40 Uhr

Ein Skandal

Zu: „Adomat bietet Sana Hilfe an“, vom 8. Mai

Die Politikerriege ist empört, ja schier „fassungslos“, über Kündigungen von Mitarbeitern aus der Presse erfahren zu müssen. Da kann ich nur mit Bill Clinton antworten: It’s the economy, stupid! (das ist Wirtschaftslogik, Dummerchen!). Aber der Landrat stellt dann erleichtert fest, dass man da ja nix machen kann, weil der Gesellschaftervertrag eben so gestrickt ist. Die Unternehmensberater der Krankenhauskonzerne fragen nicht danach, was ein Patient braucht, sondern was bringt er ein. Sie interessieren sich nur für Bilanzen und Finanzkennzahlen. Darin taucht das Personal nur als Kostenfaktor auf. Die Bundesländer tragen zur Unterfinanzierung bei den Bau- und Investitionskosten bei, das System der diagnosebezogenen Fallpauschalen führt zu Fallzahlerhöhungen und Liegezeitverkürzung (Stichwort: blutige Entlassung). Kinderabteilungen werden geschlossen – zu pflegeintensiv. Geburtsstationen sind nicht ausgelastet? Weg damit.

Im Corona-Jahr 2020 sind allein 20 Kliniken in Deutschland geschlossen worden! Von den knapp 2000 Krankenhäusern, die es jetzt noch gibt, sollen nach einer Bertelsmann-Studie höchstens 600 übrig bleiben. Dass dieses System so auf Profit getrimmt wird, ist ein Skandal. Wieso muss man mit einem System der allgemeinen Gesundheitsvorsorge Gewinne machen? In Offenbach hat der Sana-Konzern das Krankenhaus für 1 Euro erworben, die Schulden blieben bei der Stadt. Der Staat muss stärker eingreifen, Gesundheit gehört zur öffentlichen Daseinsvorsorge, die Krankenhäuser müssen gemeinnützig geführt werden. Und nicht zuletzt die neuesten Berichte aus den Corona-Intensivstationen haben gezeigt, dass die Personalsituation nicht so bleiben kann und dringend reformiert werden muss.