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Ein Leserbrief von veröffentlicht am 28.07.2021 um 10:44 Uhr

Droht die totale Verspargelung?

Zu: „Deutschland steht stärker unter Strom“, vom 14. Juli


Die Deutschen und die Energiewende. Sind die gebetsmühlenartigen, offiziellen Verlautbarungen Fake News oder ist die Transformation der Energieerzeugung hin zu einer CO2-freien Zukunft im Bereich des Machbaren? Ökologie über alles? Ist Deutschland besonders anfällig für eine weitere Ideologieform? Strebt Deutschland, beseelt davon, die Welt retten und es allen anderen zeigen zu müssen, die Vollkommenheit der Klimaneutralität an, um die unantastbare Energiewende zu vollführen? Gelingt es Deutschland, die Stromversorgung sicherzustellen, dabei die Gesetze der Physik und Mathematik zu ignorieren beziehungsweise auszuhebeln, um diese durch Visionen einer fragwürdigen politischen Elite zu ersetzen? Fakt ist, in Deutschland sind erneuerbare Energien mit weit über 100 Gigawatt Leistung installiert, die leider bei Dunkelflauten über mehrere Tage und Wochen mit null GW zur Verfügung stehen. Im großen Umfang werden Großkraftwerke von rund 25 Prozent der Back-up-Versorgung in 2022 und 2023 vom Netz genommen. Batteriespeicher und H2-Speicher sind in nennenswerten Dimensionen nicht in Sichtweite, um eine adäquate Lösung zur Versorgungssicherheit beizutragen.

Derweil bewegen sich die durchschnittlichen Stromhandelsbörsenpreise in schwindelerregenden Höhen. Wird Deutschland nach der Wahl im September mit der Einführung des Paragrafen 14a Energiengesetz zur Spitzenlastglättung das Zeitalter der
Brownouts beziehungsweise Blackouts einläuten müssen? Wird der deutsche Stromkunde total entmündigt bei seinem Bemühen, seine Familie zu ernähren? Können Arbeitsprozesse ab 2023 nur noch nach Launen von Wind und Sonne stattfinden? Droht die totale Verspargelung, um den Untergang beziehungsweise die Abwanderung einer bislang erfolgreichen Wirtschaft zu verhindern?

Fakt ist, abgeschaltet und im Rückbau befindliche Großkraftwerke können nicht nach Belieben reaktiviert werden. Nebenbei mehren sich die Meldungen, dass der Stromverbrauch steigt – nicht nur durch E-Autos. Da wird der Ruf nach noch mehr Windrädern lauter. Der niedersächsische Landesforst beklagt 25 000 Hektar Wald durch Baumsterben und trockene Böden zu verlieren. Nahezu grotesk: Der niedersächsische Umweltminister Olaf Lies will 120 000 Hektar – also rund die fünffache Fläche – Wald freigeben zur Bebauung für Windkraftanlagen. Wie passt dazu, dass Hamelner Bürger aufgefordert sind, zu spenden für die Aufforstung heimischer Wälder? Wobei ich nun wieder bei meinem Lieblingsspruch von Konfuzius bin: Der Mensch hat dreierlei Wege klug zu handeln: Erstens durch Nachdenken – das ist der edelste, zweitens durch Nachahmen – das ist der leichteste, und drittens durch Erfahrung – das ist der bitterste.