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Ein Leserbrief von veröffentlicht am 07.04.2021 um 21:31 Uhr

Leserbrief

Dreiklang aus Kur, Natur und Kultur

Zu: „Infos zur Stadtsanierung“, vom 18. März
Die Sitzung des Bad Pyrmonter Bauausschusses hat einmal mehr deutlich gemacht, wie notwendig das Städtebau-Förderungsprogramm ist. Es ist eine der wenigen Chancen, das Kurzentrum zu revitalisieren.

In den 1980er Jahren wirbt Bad Pyrmont mit dem Slogan „Kur, Natur, Kultur“. Gleich, wie man heute mit dieser Marketing-Idee umgeht: Im Kern ist die Grundlage oder das Angebot Pyrmonts seit Jahrhunderten unverändert. An Nummer 1 steht das Wort „Kur“, das alle Felder zum Thema Gesundheitsstandort abdeckt. Tatsächlich gibt es in Europa kaum einen Kurort, der auf eine solch lange Therapiegeschichte im Umgang mit dem Naturheilmittel Wasser zurückblicken kann. Selbst die Struktur des Kurzentrums ist seit 1720 einzigartig. Wollen wir heute noch konkurrenzfähig sein, ist dies geprägt von Therapie und Atmosphäre. Während andere Orte, dies kann man schon in Lügde, aber auch in Hameln, Lemgo oder Bad Salzuflen ablesen, alles unternehmen, um ihr Stadtzentrum herauszuputzen, befinden wir uns in einem deutlichen Abwind.

Die letzte großartige Aktion, Bad Pyrmont für die Zukunft als Gesundheitsstandort zu entwickeln, war die Beteiligung als dezentraler Standort der Weltausstellung Expo 2000. Bei dem gemeinsamen Antrag der herausragenden europäischen Kurorte (Great Spas of Europe) wurden wir ins Abseits gestellt. Vielleicht hat die Kommission damals bereits einen negativen Trend gespürt. Tatsächlich befinden wir uns in einer tiefen Krise. Dieser Situation können wir nur gemeinsam begegnen. Bad Pyrmont sollte zur Kur.

In dieser Zeit der Corona-Pandemie haben wir viel Zeit, uns zumindest gedanklich auf die Zeit nach dieser Krise vorzubereiten. Wenn Kurgäste aus den Kliniken, aber auch Privatgäste, gern an ihren Aufenthalt zurückdenken, dann auch wegen des unvergleichlichen Angebots an „Natur“ und „Kultur“. Wir müssen in beide Bereiche wieder viel mehr investieren und in der Nach-Corona-Zeit anbieten. Wir haben gerade auf dem kulturellen Sektor immer schon viele kreative Köpfe, die den Weg weisen können. Nimmt dieser Dreiklang „Kur, Natur, Kultur“ wieder Fahrt auf, werden neue Wege beschritten und erheblich mehr in Projekte und Marketing investiert, dann besinnen sich nicht nur Gäste der Stadt, sondern auch Investoren an den überregionalen Klang des Kurortes. Vor allen Dingen ist das Kurzentrum in seinem Erscheinungsbild zu planen. Andere Orte weisen den Weg, wie man Modelle zur Finanzierung von denkmalwürdigen Gebäuden anwendet. Das hilft dem Handwerk, aber langfristig vielen Gewerbetreibenden und Gastronomen sowie Hoteliers der Stadt.