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Ein Leserbrief von veröffentlicht am 24.05.2020 um 19:46 Uhr

Politik ist gefordert

Der Wolf wird zum Problem für Weidetierhalter

Wenn, wie in dem Bericht zu lesen, derzeit zirka 230 Wölfe in Niedersachsen leben, kann man die Sorgen und Ängste der Weidetierhalter nur zu gut verstehen.

Zu: „Tierhalter melden mehr Wolfsrisse“, vom 7. Mai

Es werden ja auch immer mehr Wolfsrisse gemeldet. Einerseits wollen die Menschen, dass Tiere artgerecht gehalten werden, und es ist einfach unheimlich schön, dass Halter ihren Tieren trotz des Mehraufwandes an Arbeit dieses artgerechte Leben ermöglichen. Andererseits werden sie mit der Wolfsproblematik zu sehr allein gelassen.

Warum sollte der Wolf auf Beutejagd gehen, wenn sich Beutetiere wie Schafe, Rinder und auch Pferde in größerer Anzahl wie auf einem Präsentierteller vor seiner Nase befinden? Im Blutrausch werden dann oft mehr Tiere getötet und grausam verletzt, als gefressen werden. In den riesigen Wäldern Rumäniens zum Beispiel haben Wölfe genügend Lebensraum, um den Menschen und ihren Tieren dort nicht in die Quere zu kommen. In Deutschland aber sieht das ganz anders aus. Pro Wurf bekommt eine Wölfin im Durchschnitt sechs Welpen. Da kann man sich ausrechnen, was in ein paar Jahren erst noch auf die Weidetierhalter in Deutschland zukommt. Der Wolf ist durchaus ein faszinierendes, hochsoziales Tier mit einer sehr interessanten Rudelstruktur, dennoch finde ich es extrem schlimm, wenn immer mehr Weidetierhalter ihre artgerechte Tierhaltung aufgeben würden. Der Wolf durfte sich in Deutschland ansiedeln, und jetzt werden Wölfe zum Abschuss freigegeben, was die Rudelstrukturen auch wieder völlig durcheinander bringt. Es ist ein Dilemma. Wie beiden Seiten gerecht werden? Letztendlich haben Weidetierhalter zu ihren Tieren auch oft eine besondere Beziehung, und abgesehen vom finanziellen Verlust, ihre Tiere so leiden zu sehen und sie nicht wirklich dauerhaft vor den Wölfen schützen zu können, das stelle ich mir ganz furchtbar vor. Hier ist die Politik gefordert, diesen Tierhaltern endlich umfassend zu helfen.