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Ein Leserbrief von veröffentlicht am 29.03.2021 um 12:58 Uhr

Zu: „Kahlschlag an der Goethestraße?“, vom 13. März

Das Schlimmste ist zu befürchten

Auch wenn der Bericht der Dewezet eine noch nicht vorlagefähige Idee aus der Stadtverwaltung bereits als neuen Baumfällskandal präsentiert, lässt die Erfahrung mit der Sägefreudigkeit Hamelner Ämter und der intransparenten Entscheidungsfindung innerhalb der Verwaltung doch das Schlimmste befürchten.

So notwendig die Sanierung auch sein mag, die Goethestraße „einmal vernüftig neu“ zu bauen, hieße, sie zu vernichten. Man erinnere sich: Goe- thestraße, das war in den 70er/80er Jahren die „Schlossallee“ von Hameln. Prachtvolle Villen inmitten parkähnlicher Gärten. Wer hier wohnen durfte, war zu beneiden.

Inzwischen wurden einige Bauten abgerissen und durch lukrative Mehrfamilienhäuser ersetzt. Die Gärten davor sind komplett gepflastert und mit pflegeleichten Steinbeeten „dekoriert“. Wenn jetzt noch der Kahlschlag kommt, wird es dort aussehen, wie überall: am Straßenrand ein parkendes Auto neben dem anderen, der Zauber verflogen. Wer ist das, in der Stadtverwaltung, dem die Säge so locker sitzt und der mitten im Klimawandel immer noch glaubt, Autos wären wichtiger als Bäume?

Während andere Städte längst daran arbeiten, durch mehr Grün für Abkühlung in den heißen Sommern zu sorgen, die Luft durch den Wechsel vom Autoverkehr auf Fahrrad und Fußwege nachhaltig zu verbessern, wird in Hameln immer noch Städteplanung der 60er Jahre betrieben. Anders ist auch die Idee, für einen notwendigen Radweg ausgerechnet den Bürgergarten zu verkleinern, nicht zu erklären. Traut euch doch endlich, den Autos diesen Platz wegzunehmen!

In Hameln muss die Bevölkerung rebellieren, um neue Parkhäuser zu verhindern (Steigerturm), um Kahlschlag wenigstens zu begrenzen (Holtenser Landstraße) oder um die Wiederbepflanzung des Kastanienwalls endlich realisiert zu sehen. Dabei ist die Erkenntnis, dass Grün in der Stadt Lebensqualität bedeutet, nun wirklich nicht neu. 1982 hatte der Künstler Joseph Beuys anlässlich der Documenta in Kassel 7000 Eichen pflanzen lassen, als soziales Kunstwerk unter tätiger Mitwirkung der Bevölkerung. Sein Motto von damals möchte man sich heute wieder zu eigen machen: „Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung.“