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Ein Leserbrief von veröffentlicht am 04.10.2021 um 11:16 Uhr

Blick auf Kinder und Jugendliche ändern

Zu: „Der Sex und die Sprachlosigkeit“, vom 8. September


Frau Balzereit berichtet über eine Diskussionsveranstaltung in der „Sumpfblume“, in der über das Thema „ Sprache finden – Kinder stärken – sexualisierte Gewalt sichtbar machen“, diskutiert wurde. Mit dem Untertitel „Warum es nicht reicht, Penis und Vulva zu benennen“ wird im Folgenden davon ausgegangen, dass es Erwachsenen per se schwer falle, über Sexualität zu sprechen. Das stimmt so tatsächlich nicht, denn das Thema „Sexualität“ ist dauerhaft präsent, in den Medien – und ja – auch in den Schulen. Was allerdings offensichtlich schwerfällt, ist über den „sexuellen Missbrauch“ von Kindern durch Erwachsene insgesamt zu sprechen, der in diesem Bericht umschrieben wird mit dem politisch gewollt abgeschwächten Begriff der „sexualisierten Gewalt“.

Als ich im Flecken Salzhemmendorf als „ehrenamtliche Gleichstellungsbeauftragte“ bestellt wurde, war dieses oben genannte Thema (März 2000) ebenfalls aktuell, so dass die damalige Jugendpflegerin Gerlinde Schwalger und ich eine Theatergruppe aus Köln engagierten, die in der kooperativen Gesamtschule auftraten mit dem Titel: „Wenn die Erwachsenen Stress machen: Gib dem Onkel doch ein Küsschen.“ Es ging um das gleiche Problem: Kinder darin zu stärken, „Nein“ sagen zu dürfen, wenn sie genau dieses nicht möchten, und dieses Nein müssen Eltern und alle, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, respektieren. Wir haben es also mit einem Problem der Erwachsenen zu tun, denn diese müssten ihren Blick auf Kinder und Jugendliche ändern. Dass dieses schwerfällt, zeigt die mangelnde Teilnahme an Elternabenden bezüglich des Themas und drückt die Sorge im Sport aus wegen eines erweiterten Führungszeugnisses bei Trainern und Assistenten.

Wenn also über „Liebe“ im Unterricht oder anderswo diskutiert wird, müssten alle „Formen der Liebe“ – Sexus, Eros, Agape – die in Verbindung zueinander stehen, zur Sprache gebracht werden und ebenso die Untergruppen der Sexualität mit folgenden Sachverhalten: Pädophilie, Nekrophilie, Zoophilie. Da das Thema Pädophilie inhaltlich den „sexuellen Missbrauch“ von Jungen und Mädchen erörtert, sollte über dieses im Schulunterricht anonym abgestimmt werden zum Schutz von möglichen Betroffenen. Bei einer Enthaltung (Nein) sollte das Thema vorerst gecancelt werden.