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Ein Leserbrief von veröffentlicht am 07.03.2021 um 18:11 Uhr

Zu: „Konflikt um Blutbuche ist noch nicht am Ende“, vom 26. Februar

Bitte im Sinne des Baumes entscheiden!

Leider sind solche Vorgehensweisen öfter in Bad Pyrmont (und nicht nur hier) zu beobachten. Als gelernte Gärtnerin möchte ich deshalb darauf hinweisen, dass Bäume keine Sträucher in groß sind und demzufolge auch nicht so behandelt werden sollten.

Einen Forsythienstrauch oder eine Haselnuss kann man mehr (alte Äste komplett entnehmen, auf den Stock setzen etc.) oder weniger (einmal oben über den Schopf rasieren – nicht schön, aber deutsch-akkurat und machbar) fachgerecht schneiden und er wird es überleben. Auch einseitige Schnittmaßnahmen wie bei der Buche im Artikel werden von Sträuchern irgendwie verkraftet.

Bei Bäumen hingegen führen Schnittmaßnahmen, die unsachgemäß ausgeführt werden, oft langfristig zum Tod des Baumes. Erst wird ein wenig selbst herumgeschnippelt, dann kommen ganze Äste weg, weil sie irgendwie stören (vielleicht hat die Firma, die es macht, auch Ahnung, aber nun ja...“. Der Kunde ist König, was interessiert mich die Vorschrift...“), schließlich haucht der Baum sein Leben aus (sprich, er ist nicht mehr verkehrssicher) und muss dann „leider, leider“ gefällt werden.

Was oft den Besitzer vermutlich gar nicht stört – puh, endlich nicht mehr Laub fegen und dann dieser ganze Dreck... Dabei ist Laubfegen ein super Outdoorsport (sogar coronakonform!). Dass es dann im Sommer ohne Baum noch heißer ist, merkt man dann auch leider erst zu spät.

Je älter ein Baum ist, umso gefährdeter ist er durch Schnittmaßnahmen, da an den Schnittflächen Pilze eindringen können und jede Astentnahme die Statik verändert. Im Gegensatz zum Strauch kann ein Baum die entfernten Äste nicht einfach durch adäquates Nachwachsen ersetzen.

Vorschlag: Gibt es Ängste/Streit seitens der Besitzer/innen, Nachbarschaft, Mieter/innen, sollte man sich die Situation gemeinsam mit einer/m Baumsachverständigen anschauen – in Ruhe, vielleicht im Schatten unter dem Baum mit einem schönen Getränk, um die Gemüter zu beruhigen. Dann entscheide man bitte im Sinne des Baumes, welche Maßnahmen wirklich notwendig sind (Totholzentfernung, Kronensicherung, behutsame Entnahme einiger Äste usw.). Wenn im schlimmsten Fall gefällt werden muss, sollte nachgepflanzt werden.

Unsere Stadtbäume sind extremem Stress ausgesetzt (Bodenverdichtung/-versiegelung, Abgase...) und leben dicht an dicht mit uns Menschen. Das führt sicher zu Konflikten. Rückschnitte, die sich nur nach dem Wunschdenken der Menschen richten, führen aber nicht zu einem gesunden Weiterleben des Baumes. Krüppelbäume, Rasen und Steingärten allein führen aber auch nicht zu einem gesunden Weiterleben der Stadtmenschen!!