weather-image
24°
×
Ein Leserbrief von veröffentlicht am 05.07.2021 um 10:06 Uhr

BI Transit ignoriert Fakten

Zu: „Elektrifizierung ein trojanisches Pferd?“, vom 22. Juni


Dass die BI Transit alle Fakten ignoriert, die nicht in deren Szenario passen, ist inzwischen hinlänglich bekannt. Erschreckend finde ich jedoch, dass es immer noch Politiker und Verwaltungsbeamte gibt, die es ihnen gleich tun oder sich zumindest von der BI einseitig beeinflussen lassen. Fakt ist, dass die zwei zusätzlichen Kreuzungsbahnhöfe die Fahrplanstabilität der RB77 im Verspätungsfall deutlich erhöhen werden! Fakt ist, dass die LNVG bei Ausmusterung der aktuellen Fahrzeuge sogenannte Akkutriebwagen ausschreiben wird. Zwischen Hildesheim und Hameln kommt die Traktionsenergie dann aus der Oberleitung, die Elektrifizierungslücke zwischen Hameln und Löhne (53 Kilometer) überbrückt der Zug mit Akkus. Ist die Lücke im Verhältnis zum elektrifizierten Abschnitt zu groß, reicht die reine Fahrzeit unter Oberleitung nicht aus, um die Akkus wieder vollständig zu laden und es müssen zusätzliche Standzeiten in elektrifizierten Bahnhöfen eingeplant werden.

Bei der Gesamtstrecke von 110 Kilometer würde eine Nicht-Elektrifizierung der 29 Kilometer zwischen Elze und Hameln den Elektrifizierungsgrad auf der RB77 von 50 Prozent auf 25 Prozent verschlechtern. Außerdem benötigt der Akkubetrieb eine gewisse Reserve für Störungen und zum Heizen und Klimatisieren des Fahrzeugs. Die Kapazität darf also nicht planmäßig schon bis aufs Letzte ausgereizt sein. Mit der Fahrdrahtlücke nur zwischen Hameln und Löhne wäre die Linie für die Akkutriebwagen optimal aufgestellt. Fakt ist, dass diese Fahrzeuge sowohl gegenüber den aktuellen Zügen aber auch gegenüber dem einzigen, derzeit am Markt verfügbaren Wasserstoff-Triebzug, eine signifikant höhere Beschleunigung aufweisen (1,2 statt 0,6 m/s²). Dies zusammen mit den zusätzlichen Kreuzungsbahnhöfen schafft die Fahrplanreserven, um in der Region geforderte zusätzliche Haltepunkte oder auch zusätzliche Züge (engere Taktung RB77 oder RE Wolfsburg-Hildesheim-Hameln-Paderborn) ermöglichen zu können. Über all dies wurde in der Dewezet ausführlich berichtet, und es sollte dem objektiven Betrachter auch einleuchten. Wenn sich jedoch die ablehnende Haltung der Stadt Hameln seit zehn Jahren nicht geändert hat, wie der Bürgermeister in dem Video erklärt, dann kann man das nur als Schlag ins Gesicht aller Fahrgäste bezeichnen, die trotz aller aktuellen Probleme regelmäßig die RB77 nutzen oder bei besseren Rahmenbedingungen nutzen würden. Nehmen Sie sich ein Beispiel an der Gemeinde Emmerthal und hören Sie auch die Fahrgastverbände zu dem Thema an. Nur so bekommen Sie ein objektives Bild. Um Menschen vom Auto in den Zug zu bekommen, muss es attraktive Angebote geben. Hier lauert eine Riesenchance für die Region, die es im Sinne von Klimawandel und Verkehrswende zu nutzen gilt!