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Ein Leserbrief von veröffentlicht am 16.08.2019 um 20:45 Uhr

Umstrittene Rede

Besondere Verantwortung

Was hat Herr Tönnies sich wohl dabei gedacht, dass er als Geschäftsmann in einer Festrede beim Tag des Handwerks in Paderborn seine eigenen Erkenntnisse zu Steuererhöhungen im Kampf gegen den Klimawandel den Zuhörenden darlegte, indem er einen Zusammenhang von Sexualität und Kinderreichtum in den sogenannten Entwicklungsländern erkannt haben will.

Zu: ,„Das kann man nicht durchgehen lassen“‘, vom 5. August

Frei nach dem Motto: „Gebt den Menschen Arbeit, denn ein durch Arbeit erschöpfter Mann hat keine Lust mehr auf Sex.“ Dass mit dieser These nicht nur ein ganzer Kontinent diskriminiert wurde, sondern er selbst mit dieser Aussage in den Ruf eines Rassisten geraten ist, wurde dem Vortragenden offensichtlich erst nach lauten Protesten aus der Öffentlichkeit bewusst.

Da Herr Tönnies ein „Schalker“ ist und Aufsichtsratsvorsitzender dieses Fußball-Bundesligavereins, trägt er eine besondere Verantwortung als „Aushängeschild“ dieses Vereins, indem was und wie er etwas öffentlich kommentiert. So kommentierte der Vorsitzende der „DFB-Ethikkommission“, Nikolaus Schneider: „Die öffentliche Wirkung ist schlimm.“ Und das ist gut so, weil die Öffentlichkeit sich erstens allmählich emanzipiert und wie ein „Seismograf“ auch verdeckte Diskriminierungen ausmacht, wie in diesem Fall, und zweitens eine Debatte über den „Rassismus“ in Gang gebracht werden muss. Wenn, wie im Fall von Herrn Tönnies, gesagt worden ist, er sei wegen seiner Äußerungen ein Rassist, wird vorausgesetzt, dass der Mensch in „Rassen“ und mit seinen „Unterarten“ eingeteilt werden kann.

Dass dieses veraltete Rassendenken die Nazis genutzt haben, um ganze Volksgruppen zu eliminieren oder zu demütigen, sollte uns heute Lebenden veranlassen, uns endgültig von dem Rassenbegriff – auf Menschen bezogen – gänzlich zu verabschieden, da er aus heutiger Sicht falsch ist. Das bedeutet in letzter Konsequenz auch die Streichung des Rassenbegriffs im Grundgesetz in Artikel 3 („Niemand darf wegen seiner Rasse benachteiligt oder bevorzugt werden“), welcher durch „Ethnie“ ersetzt werden kann.