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Ein Leserbrief von veröffentlicht am 10.08.2021 um 11:17 Uhr

Aus reinem Egoismus unsozial

Zu: „Die Grenzen der Aufklärung“, vom 31. Juli


Die Bereitschaft zur Impfung gegen Corona lässt in erschreckender Weise immer mehr nach. Zu den üblichen und nicht zu verstehenden Fraktionen der schon immer vorhandenen Impfgegner gesellen sich jetzt noch die Ängstlichen und Unentschlossenen in immer größerem Ausmaß hinzu. Das ist an Dummheit und Gefährlichkeit nicht zu überbieten – außerdem ist das aus reinem Egoismus unsozial. Um das zu durchbrechen, kommen weichgespülte Politiker*innen auf die absurdesten Ideen – teilweise sogar mit Erfolg.

Im südthüringischen Sonneberg lockte man mit einer Bratwurst zur Impfung, was 250 wahrscheinlich völlig Ausgemergelte dankend annahmen. Bisher dachte ich, dass man nur Hunde mit einer Wurst locken kann – welch grandioser Irrtum.

Um das Hofieren der Impfunwilligen abzurunden, schlage ich vor, diesen Leuten zu garantieren, sie nach der Impfung mit einer Stretchlimousine nach Hause zu fahren, sie zu Bett zu bringen, ihnen das Märchen von der Kugelerde zu erzählen, ein Schlaflied zu singen und die ganze Nacht darauf zu achten, dass kein Butzemann ohne den lebenswichtigen Aluhut sein Unwesen treibt. Wann kapieren die Politiker*innen endlich, dass man die überzeugte Impfgegnerschaft nicht bekehren kann? Es ist doch völlig klar, dass Impfverweigerer eine nicht zu unterschätzende Gefahr für die Bevölkerung sind, was durch die erneut beängstigend ansteigende Zahl der Erkrankten bewiesen ist.

Selbstverständlich kann (leider) noch niemand zur Impfung gezwungen werden, deshalb müssen die Impfgegner auch die Konsequenzen tragen. Nach meiner Meinung dürften sie im Gegensatz zu Geimpften nicht in Restaurants, Theater oder zu anderen Veranstaltungen, solange die Pandemie anhält. Den Impfgegnern rate ich, mal darüber nachzudenken, wie unsere Welt heute aussehen würde, wenn man vor Jahren nicht die Zwangsimpfung gegen die lebensgefährlichen Pocken mit Erfolg durchgesetzt hätte. Dadurch wurde diese Krankheit am 8. Mai 1980 von der WHO für ausgerottet erklärt. Allerdings meine ich nicht, die Querdenker damit zu erreichen, denn ich glaube, dass bei vielen von denen das weitaus größere Gewicht eher auf „Quer“ statt auf „Denken“ liegt.