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Ein Leserbrief von veröffentlicht am 01.11.2021 um 11:11 Uhr

Andere Auffassungen respektieren

Zu: „Impfverweigerer sind gefährlich“, vom 29. Oktober


Ich bin nicht die Erste, die darauf hinweisen möchte, dass ein solcher Artikel Fronten verschärft und einen Diskurs zwischen unterschiedlichen Auffassungen unmöglich macht. Diejenigen Auffassungen, die vertreten, dass das Immunsystem gestärkt werden kann durch Ernährung, Bewegung, Minderung von negativem Stress etc. und dass es keiner für den Laien en Detail schwer nachvollziehbaren neuartigen Impfung bedarf, das Immunsystem zu „boostern“, werden als rücksichtslos deklariert, die mit schwersten disziplinarischen Mitteln genötigt werden sollen. Worauf beruhen denn die Impfdurchbrüche und die vollmundig verkündete Sicherheit, die die Impfung bieten sollte, die sich jetzt als viel brüchiger erweist? Dies den Ungeimpften anzulasten, ist nicht seriös.

Die Psychoneuroimmunologie zeigt doch, wie sehr und wie fein der Körper und die Seele zusammenwirken. Ein Klima der Angst und der Ausgrenzung Andersdenker immer wieder auch durch solche Artikel zu erzeugen, ist dementsprechend kontraproduktiv. Eine ehemalige Krankenschwester hat mich darauf hingewiesen, wie wichtig in der Forschung Kontrollgruppen sind und dass es gerade die kleine Anzahl Ungeimpfter ist, wo man studieren könnte, wie sich Virus und Immunsystem unbeeinflusst verhalten. Und in diesem Zusammenhang wird an anderer Stelle die erstaunliche Tatsache beschrieben, dass nunmehr 4000 Intensivbetten entfallen, auch aus Personalmangel. Das Gesundheitssystem ist als Arbeitsplatz für alle Beteiligte außerordentlich belastend und wird es durch ökonomischen Druck immer mehr. Das System der Fallpauschalen, der unbedingt auszulastenden teuren diagnostischen Geräte, der immer höher steigenden Verschreibungen von Medikamenten hat bisher nicht dazu geführt, dass die medizinische Betreuung besser, die Kosten des Gesundheitssystems weniger und die Menschen gesünder geworden sind.

Ich respektiere andere Auffassungen und dass jeder Mensch selbst entscheiden darf, was er sich zumutet. Es wäre schön, wenn differenziertere Betrachtungen auch für Leitartikler gelten würden.