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Ein Leserbrief von veröffentlicht am 19.05.2021 um 21:54 Uhr

Überholte Plattitüden gegen die Landwirtschaft

Behauptet wird, dass in dem Gebiet um Bäntorf immer mehr Tierhaltungsställe gebaut werden, welche die Umwelt und die Bürger im Ort stark gefährden würden. Allerdings unterliegen Genehmigungsverfahren für Stallbauten nach BImSchG (Bundes-Immissionsschutzgesetz) oder Bauordnung strengen Vorgaben hinsichtlich Umweltauswirkungen und Tierschutz, auch bei weniger als 30 000 Tieren.

Tatsache ist, dass der Selbstversorgungsgrad bei Geflügelfleisch in Deutschland nach wie vor unter 100 Prozent liegt und Deutschland somit auf Geflügelfleischimporte aus dem Ausland angewiesen ist. Durch die sehr restriktiven Gesetze wurde auch der Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung sehr stark reduziert und der Einsatz von den angesprochenen Reserveantibiotika ist eine absolute Ausnahme.

Deutlich häufiger ist der falsche Einsatz in der Humanmedizin, wodurch die angesprochenen Resistenzen entstehen (BMEL = Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, 2020). Nicht zuletzt durch die immer strengeren Auflagen und die niedrigen Erzeugerpreise sind die Zahlen der Tierbestände in Niedersachsen rückläufig. Der Geflügelbestand zum Beispiel sank seit 2018 um mehr als 331 000 Tiere (Nährstoffbericht Niedersachsen 2019/2020).

Als Landwirt gesellschaftlich fast schon geächtet, überlege ich mir, ob ich noch einmal eine Investition in Tierhaltung durchführe oder nicht. Wenn dann irgendwann alle Lebensmittel aus dem Ausland importiert werden müssen, hat die Gesellschaft gar keinen Einfluss mehr auf die Produktionsbedingungen, und was Abhängigkeiten vom Ausland bedeuten, konnten wir alle erst im letzten Jahr zu Beginn der Pandemie erfahren. Im Weserbergland deckt der Wirtschaftsdünger aus Tierhaltung nicht einmal zu einem Drittel den Stickstoffbedarf auf Acker und Grünland ab. De facto gibt es keine Gülleproblematik im Weserbergland. Der Auftritt von Herrn Christian Meyer bei der IGB scheint nach diesen Fakten reiner Wahlkampf. Anstelle konkreter Aspekte bezüglich der Planung des Maststalles bedient er sich längst überholter Plattitüden gegen die Landwirtschaft.