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Weihnachtsmarkt – keine faulen Kompromisse

Gefühlt zumindest gewinnt man zurzeit den Eindruck, dass diese Stadt nur eins bewegt: der Weihnachtsmarkt, seine Größe, Ausstattung und sein Konzept.

veröffentlicht am 16.01.2012 um 15:59 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 10:27 Uhr

Autor:

Günther Niemeyer

Fünfhundert oder tausend Busse, kleine oder große Stände, Etes Hütte ja oder nein – statt Runder Tische wäre es vielleicht einmal an der Zeit, aufzuarbeiten, was diese Stadt mit dieser Veranstaltung eigentlich erreichen will. Soll dem Bürger was geboten werden, geht es um möglichst viele Bustouristen, stehen die wirtschaftlichen Interessen der Beschicker im Vordergrund? Was hat der Handel von alledem, ist die Stadt auf Standgebühren angewiesen? Will man’s gemütlich kuschelig oder machen wir lieber auf vorweihnachtlich getrimmten „Alpenmax“?

Keine dieser Fragen ist auch nur ansatzweise geklärt, jeder stellt sich unter dieser adventlichen Veranstaltung etwas anderes vor und versucht naheliegender Weise, seine Interessen ins Trockene zu bringen. Was Wunder, dass unter solchen Voraussetzungen Konflikte gären und Auseinandersetzungen eskalieren.

Auch wenn Weihnachtsmärkte zunächst das Gefühl bedienen und adventliche Stimmung erzeugen sollen, dürfen uns „Kling Glöckchen, klingelingeling“, Bratwurstduft und Glühweindunst nicht den Blick darauf verstellen, dass es jenseits aller Romantik ums Geschäft geht. Hier wird, zumindest von einigen, in kürzester Zeit viel Geld verdient. Entsprechend hart sind die Bandagen, mit denen dann zu Werke gegangen und um die Plätze gerungen wird. Gefühlsduselei ist deshalb fehl am Platz. Man muss nicht unbedingt Prophet sein, um vorherzusagen, dass der ins Auge gefasste Runde Tisch vermutlich nur zu einem führen wird: den hierzulande sattsam bekannten, faulen Kompromissen. Die Stände werden etwas größer, die Abstände kleiner, ansonsten bleibt alles beim Alten, angeblich Bewährten.

Wir sollten uns nichts vormachen, unser Weihnachtsmarkt ist allenfalls noch Durchschnitt, und das nicht erst seit diesem Jahr. Es muss mehr auf den Prüfstand als die aus durchsichtigen Gründen angeblich zu kleinen Stände. Was war denn mit der weihnachtlichen Dekoration? Da gab es durchaus Defizite – es sei denn, man rechnet auch das Riesenbauschild an der Osterstraße und das Gestell der Überdachung unserer Hochzeitshausterrasse dazu. Merkwürdigerweise blieben sie stehen und verliehen diesem Weihnachtsmarkt so ein ganz besonderes Flair. Und – kennen Sie einen Weihnachtsmarkt, auf dem es keinen Weihnachtsbaum gibt? Letzterer steht bei uns mit ein paar dürftigen Lichterketten versehen sinnigerweise vor dem Rathaus, wohin sich niemand, und schon gar kein Tourist, verirrt.

Weihnachtsmärkte gibt es mittlerweile überall. Wenn unsere Rattenfängerstadt ihrem selbst gesetzten Anspruch, davon einen der schönsten anzubieten, gerecht werden will, dann muss nach den Erfahrungen dieses Jahres gehandelt werden – und das schnell. Gefordert ist die Stadt, allenfalls noch die HMT. Sie muss die konzeptionelle Arbeit leisten und Vorgaben machen. Vor allem aber muss sie eins: zu gefundenen Lösungen stehen, auch wenn es Gegenwind gibt, statt dieselben postwendend wieder in Frage zu stellen.

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