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Falsche Wahlzettel spielen der AfD in die Karten

Panne zur Unzeit

veröffentlicht am 12.09.2016 um 00:35 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 09:18 Uhr

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Triumph, Aufbruch, Niedergeschlagenheit? In Hameln waren diese Zutaten einer Wahlnacht gestern nicht so leicht herauszuschmecken. Die beiden Großen – SPD und CDU – schienen letztlich wohl vor allem erleichtert, dass es nicht schlimmer kam. Sie mussten im Vergleich zu 2011 kaum Federn lassen. Natürlich freut sich die FDP, dass sie ihr damaliges Ergebnis in etwa verdoppelte, glaubt aber – so klang ihr bisheriger Fraktionsvorsitzender Hans Wilhelm Güsgen – selbst nicht so recht daran, nun in einer Mehrheitsgruppe mitreden zu dürfen. Und klar, die Linke ist stolz auf ihr gutes Abschneiden, ob sie aber eine reelle Chance auf ihr erhofftes rot-rot-grünes Bündnis hat? Und wie wird es überhaupt weitergehen im neuen kunterbunten Rat, in dem nun zehn Parteien und Wählergemeinschaften vertreten sind? Abwarten. Und „Abwarten“ ist ohnehin nun das zentrale Stichwort zur Hamelner Ratswahl. Denn am Ende könnte der gestrige Urnengang nicht mehr gewesen sein als eine Generalprobe. Die Panne mit den vertauschten Wahlzetteln sorgte gestern für angespannte Gesichter im Rathaus.

Ähnliche Fälle gab es bundesweit schon mehrfach. Bei der Landtagswahl 2013 ging es in Oldenburg nicht nur – wie nun in Hameln – um 66, sondern sogar um rund 160 falsche Stimmzettel. Die Wahl zählte trotzdem. Doch die Situation in Hameln ist eine andere. Nachdem die AfD aufgrund offenbar gefälschter Unterschriften in Wahlbereich 5 ausgeschlossen wurde, hatte sie ohnehin vor, die Wahl anzufechten. Mit der Wahlzettel-Panne bekamen die Rechtspopulisten nun gestern neue Munition zugestellt – frei Haus und mit Geschenkband. Die unbeholfen wirkenden Reparaturversuche der Stadtverwaltung dürften die AfD kaum überzeugen. Ein gekritzeltes „AfD“ ist dann eben drei Stimmen für eine Partei wert, die auf dem Zettel fehlt. Die falschen Wahlzettel sind eine überschaubare Panne – doch sie kommt zur Unzeit.

Also geht Hameln nun eventuell ein zweites Mal zur Wahl. Und wenn nicht? Dann ließe sich aus der Panne vielleicht für so manchen herauslesen, dass 66 Stimmen bei einer Wahl keine große Rolle spielen. Werbung für eine höhere Wahlbeteiligung sieht anders aus.



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