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Legitim, aber durchschaubar

Ach, du liebe Güte, so ein Fusionspoker ist schon eine ziemlich verzwickte Sache. Zwischen Machtwünschen und Eitelkeiten wird taktiert, verhandelt und dabei immer geschickt ein Trumpf in der Hinterhand gehalten – die Debatte um mögliche Fusionen im Süden Niedersachsens treibt in den diversen Hinterzimmern und politischen Zirkeln zum Teil skurrile Blüten. Holzminden und Northeim wollen sich einen Startvorteil verschaffen und im Duett möglichst schon den einen oder anderen Pflock einschlagen, um später aus einer stärkeren Position heraus handeln zu können.

veröffentlicht am 09.02.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:02 Uhr

Thomas Thimm

Autor

Stv. Chefredakteur zur Autorenseite

Ach, du liebe Güte, so ein Fusionspoker ist schon eine ziemlich verzwickte Sache. Zwischen Machtwünschen und Eitelkeiten wird taktiert, verhandelt und dabei immer geschickt ein Trumpf in der Hinterhand gehalten – die Debatte um mögliche Fusionen im Süden Niedersachsens treibt in den diversen Hinterzimmern und politischen Zirkeln zum Teil skurrile Blüten. Holzminden und Northeim wollen sich einen Startvorteil verschaffen und im Duett möglichst schon den einen oder anderen Pflock einschlagen, um später aus einer stärkeren Position heraus handeln zu können. Das kann dann Gespräche mit möglichen weiteren Fusionspartnern betreffen oder aber den sehnlichen Wunsch nach größerer Einflussnahme im Weserbergland insgesamt. Das alles ist legitim – aber eben auch durchschaubar. Hameln-Pyrmont ist unter diesen Bedingungen nicht gerade Feuer und Flamme, Hildesheim winkt ab, und Göttingen wird Vorentscheidungen, gleich welcher Art, in keinem Fall akzeptieren. Da dürfen wir sicher sein.

Was kann helfen? Ein Gutachten kann Licht ins Dunkel bringen – aber nur, wenn es völlig ohne Vorbedingungen in Auftrag gegeben wird und ganz und gar unabhängig durchgeführt werden kann. Allerdings sind da Fragestellungen, wie sie Holzmindens Landrat Walter Waske vorschweben, eher kontraproduktiv. Das Land, das bis in seine politische Spitze hinein Fusionen befürwortet, sollte helfend eingreifen, damit am Ende Fakten sprechen können.

Es ist im Übrigen gut, dass die Fusionsdebatte – gerade auch durch das bisherige Taktieren der Beteiligten – mittlerweile aus den Hinterzimmern herausgezogen wird. Und in der Öffentlichkeit landet. Es wäre höchst interessant, zu erfahren, wie die Menschen in Hameln-Pyrmont, in Holzminden und in Northeim die unterschiedlichen Fusionsmöglichkeiten bewerten. Da alle Landräte immer betonen, dass es ihnen um die Sache und die Menschen gehe, hätten sie bestimmt nichts dagegen, wenn man tatsächlich mal die Bevölkerung nach ihrer Meinung fragte.

t.thimm@dewezet.de



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