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Güterverkehr, wohin?

Wenn man aus der Geschichte lernen kann, heißt die Lehre aus Stuttgart: Kritik darf nicht erst laut werden, wenn der Zug fast abgefahren ist. Insofern ist es richtig, dass sich die Kritiker des Streckenausbaus durch ministerielle Beruhigungspillen nicht den Wind aus den Segeln nehmen lassen. Es ist gut, dass sich der Protest formiert, bevor das Projekt die Schwelle zum formellen Verfahren überschreitet – denn dann sind die Weichen in der Regel unverrückbar gestellt.

veröffentlicht am 12.04.2011 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 10:29 Uhr

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Aber die Kritiker müssen eine ganz andere, grundsätzliche Frage beantworten: Wo soll der Güterverkehr bleiben?

Gerade mal zehn Jahre nach dem sechsspurigen Ausbau der A 2 denkt der Ministerpräsident laut über acht Spuren nach – eine Bankrotterklärung der Politik, die es nicht geschafft hat, die Schiene für den anschwellenden Güterverkehr attraktiver zu machen. Wer aber genau das will, wer den Infarkt auf der Straße durch Verlagerung auf die Schiene verhindern möchte, muss sagen, wo die Züge rollen sollen.

Das bloße Kosten-Nutzen-Kalkül, das aktuell für die Strecke durch das Weserbergland spricht, greift hier zu kurz. Es klammert die Betroffenheit von Menschen aus, ignoriert die soziale Verträglichkeit, die letztlich – siehe Stuttgart – ausschlaggebend sein kann.

Mit Blick auf die Kollateralschäden ist fraglich, ob eine Trasse, die mitten durch die Kernstadt Hamelns führt, günstiger sein kann als die Route von Minden nach Hannover. Denn das sollte die Bahn, so angestrengt sie auch auf die Börse schielt, irgendwie gelernt haben aus der Geschichte: Wirtschaftlich ist ein Projekt nur, wenn es durchsetzbar ist.

f.werner@dewezet.de



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