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Eine Chance für Afferde

Es ist schon bitter: Zeitlebens hat sich Dieter Oesterlen für die Symbiose aus Alt und Neu ausgesprochen. Dann fiel erst ein von ihm gestalteter Platz in Hildesheim der Rekonstruktion des Knochenhaueramtshauses zum Opfer, und jetzt wird auch der unter Denkmalschutz stehende Plenarsaal des Landestages in Hannover für einen „zeitgemäßen Neubau“ plattgemacht. Man kann jetzt schon darüber spekulieren, welches Gebäude in dreißig Jahren diesen Glastempel ersetzen soll.

veröffentlicht am 16.03.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 10:32 Uhr

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Dieter Oesterlen hat die Nachkriegsarchitektur in Deutschland maßgeblich beeinflusst. Er hat dem kriegszerstörten Hannover ein neues Gesicht gegeben und vielen anderen Städten kulturgeschichtlich wertvolle Bauwerke geschenkt. Auch Hameln. Das Kunstkreis-Studio, dessen Erweiterungsbau noch von ihm selbst vorgenommen wurde, ist ein beredtes Beispiel für eine moderne Ästhetik in der Architektur, bei der Funktion, Konstruktion und Form zu einer Einheit verschmelzen, die dem Gebäude seinen unverwechselbaren Charme und Charakter geben. Hameln kann stolz auf dieses Bauwerk sein. Und sollte auch die Schule in Afferde nicht unterschätzen, zeugt dieser Zweckbau doch von den weitsichtigen Idealen eines großen Architekten, die heute noch so aktuell wie damals sind. Gebäude sind dazu da, unser kulturelles Erbe widerzuspiegeln. Dazu gehört in Hameln nicht nur mittelalterliches Fachwerk, Weserrenaissance oder Jugendstil, sondern auch die Architektur der 50er Jahre.

In Hannover hat sich der Repräsentationswille der Abgeordneten – allen Haushaltsnöten und dem Denkmalschutz zum Trotz – gegen die Bürgermeinung durchgesetzt. Wenn Baudezernent Eckhard Koss jetzt bei dem Oesterlen-Bau in Afferde Bereitschaft signalisiert, die Pausenhalle in ihrer jetzigen Form zu erhalten, entspricht dies nicht nur dem Mehrheitswillen der Beteiligten in Afferde, sondern zeigt auch Verantwortungsbewusstsein für ein architektonisches Erbe.

k.rohr@dewezet.de



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