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Uwe Schünemann hat die Wähler mobilisiert – aber nicht nur die eigenen

Der größte Gegner war er selbst

Eines lässt sich der CDU nicht nachsagen: dass sie nicht alles versucht hätte. Selbst die Polemik eines Lagerwahlkampfes, die so gar nicht ins Kuschelklima der Bundespolitik passen will, haben Schünemann und seine Unterstützer nicht ausgelassen. In der Hoffnung, die Furcht vor dem rot-roten Schreckgespenst würde die eigene Klientel immer noch am besten mobilisieren. Funktioniert hat der Griff in die Mottenkiste der Wahlpropaganda nicht. Vielleicht auch, weil die Lokalausgabe der Rote-Socken-Kampagne bereits wie eine Verzweiflungstat anmutete.

veröffentlicht am 07.10.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 09:28 Uhr

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Die CDU und ihr prominentes Zugpferd haben gestern ein politisches Waterloo erlebt, das düsterste Szenarien wahr werden ließ. Die SPD dagegen hat alles richtig gemacht. Ihr Alleingang bei der Kandidatensuche findet auf beeindruckende Weise seine Rechtfertigung. Nicht der Verlierer, der Gewinner schreibt die Geschichte.

Schünemanns größter Gegner jedoch war er selbst. Seine Vergangenheit, die nicht vergehen will. Auf der Zielgeraden des Wahlkampfes geriet der Ex-Innenminister noch in der Bespitzelungsaffäre beim Verfassungsschutz unter Druck, doch das dürfte nicht den Ausschlag gegeben haben. Entscheidender war die ambivalente Ausstrahlung, das Hardliner-Image, das Schünemann anhaftet wie eine zweite Haut – und das in extremer Weise polarisiert. Unter allen Kandidaten fiel es dem CDU-Bewerber am schwersten, mit Argumenten zur Kreispolitik überhaupt durchzudringen, weil sich die Wahrnehmung seiner Person bisweilen vollständig auf die alte Rolle reduzierte.

Bundesweit ist der ehemalige Minister, der in Fragen der Sicherheits- und Ausländerpolitik gerne „klare Kante“ zeigte, zu einer politischen Marke geworden. Doch bei dem Versuch, als Landrat mehrheitsfähig zu werden, erwies sich dieses Image als hinderlich. Schünemann gelang es durchaus, die Wähler zu mobilisieren. Aber nicht nur die eigenen.

Dabei hatte der CDU-Mann die klarste Vision, wie Hameln-Pyrmont wirtschaftlich wieder Tritt fassen kann. Versatzstücke seines Wachstumskonzepts fanden sich auch bei anderen Kandidaten wieder. Eine schwarz-rot-grüne Koalition zur Zündung des „Wachstumsmotors“ wäre problemlos machbar gewesen. Doch nach dem Rückstand am 22. September hat selbst bei der CDU kaum noch jemand damit gerechnet, den Motor ankurbeln zu können. Alles andere als ein klarer Sieg von Bartels wäre eine Überraschung gewesen.

Und Bartels hat nicht nur gewonnen, weil Schünemann verloren hat. Der unbekannte SPD-Kandidat aus der kaum bekannteren Wedemark hat sich besser geschlagen, als mancher dachte. Zweifellos wurde der Sozialdemokrat vom SPD-Butte-Bonus getragen, aber Bartels hat sich festgebissen in diesem Wahlkampf, ist in seiner Rolle gewachsen.

Keiner wusste so wie er, wie eine Gemeinde von innen tickt, keiner konnte Kommunalpolitik so detailverliebt erklären. Doch jetzt muss Bartels zeigen, dass er auch das Zeug zum Landrat hat, der eine ganze Region voranbringen muss. Dass er nicht nur Wedemark kann, sondern Weserbergland.

Denn die Aufgaben sind gewaltig: Wirtschaftsförderung, Haushaltskonsolidierung, Rezepte gegen den demografischen Schwund, Schulentwicklung, Neuordnung der kommunalen Zuständigkeiten, eventuell Kreisfusion und vieles mehr. Sein Vorteil ist, dass er sich auf eine eigene Mehrheit im Kreistag stützen kann. Diese Chance sollte Bartels nutzen. Gefragt ist nicht nur ein Moderator, sondern ein Macher, der schnell die richtigen Akzente setzt.

Einer Versuchung sollte Bartels dabei unbedingt widerstehen. Für eine Politik der Dankbarkeit gegenüber all jenen Gruppen, die ihn unterstützt haben, hat der Landkreis weder Zeit noch Geld.

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