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Grieses Sieg im Wellness-Wahlkampf ist verdient – aber jetzt muss er liefern

Aufbruchstimmung, bitte!

Claudio Griese hat seinen Vorsprung souverän ins Ziel gebracht. Hochverdient, blickt man auf den Wahlkampf der letzten Wochen. Der CDU-Fraktionschef hat sich besser geschlagen, wirkte trittsicherer und ambitionierter als der blass gebliebene Kandidat der SPD.

veröffentlicht am 16.06.2014 um 10:28 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 09:24 Uhr

Claudio Griese hat seinen Vorsprung souverän ins Ziel gebracht. Hochverdient, blickt man auf den Wahlkampf der letzten Wochen. Der CDU-Fraktionschef hat sich besser geschlagen, wirkte trittsicherer und ambitionierter als der blass gebliebene Kandidat der SPD. Griese hat mit reichlich Sympathiewerbung, Streicheleinheiten für das Hamelner Wir-Gefühl und jeder Menge familienfreundlicher Kuschelkultur gepunktet. Phasenweise glich sein Wahlkampf einem politischen Wellness-Wochenende.
Gewonnen hat aber nicht nur der bessere und bekanntere Wahlkämpfer. Tatsächlich hat Griese auch das Zeug zum Oberbürgermeister. Seine lange Warmlaufzeit in der Ratspolitik hat ihm einen Kompetenzvorsprung beschert, den Ralf Wilde nicht aufholen konnte und durch seinen Offenbarungseid am Münsterkirchhof eher noch vergrößert hat.
Zünglein an der Waage waren vor allem die Grünen, deren Basis – Ursula Wehrmann hin, Ratsbündnis her – keineswegs auf CDU-Bewerber abonniert ist. Wilde hat es ganz offensichtlich nicht geschafft, die Mehrheit der grünen Wähler auf seine Seite zu ziehen. Und nimmt man den eher lustlos beantworteten Kandidaten-Fragebogen der Grünen als Maßstab, stellt sich die Frage, ob er sich genug Mühe gegeben hat.
Das alles hat die Wahl entschieden. Es waren nicht die traditionelle Farbenlehre der Parteien, die wie beim Patchwork durcheinanderging, und schon gar nicht die Programme der Kandidaten selbst. Inhaltlich konkurrierte muntere Unverbindlichkeit mit launiger Dampfplauderei. Die ausgeprägte Neigung, lieber Vollkaskomeinungen als Standpunkte zum Besten zu geben, hat eine ehrliche Debatte über die Probleme der Stadt verhindert. Optimistisch betrachtet, hat sich Griese seinen Mut zu Veränderungen im Wahlkampf nur aufgespart. Denn er wird ihn brauchen. Die Aufgaben, die auf den neuen Oberbürgermeister warten, sind gewaltig. Künftig wird es nicht mehr reichen, über Sparpolitik nur zu reden, ohne etwas zu sagen. Wenn in 137 Tagen der Vorhang für die amtierende Oberbürgermeisterin fällt und Griese sein Amt antritt, wird der nächste Haushalt gerade auf den Weg gebracht. Höchste Zeit, die Versäumnisse der Vergangenheit aufzuholen und die Abwärtsspirale von Defiziten und Schulden zu durchbrechen. Daran, an seinen finanzpolitischen Erfolgen, wird der neue Oberbürgermeister gemessen.
Die Voraussetzungen für einen Kurswechsel sind gut. Mit Griese an der Spitze wird der vor zweieinhalb Jahren eingeleitete Machtwechsel im Rathaus vollendet. Nach der Kommunalwahl hat die CDU die Regie im Rat übernommen, jetzt erobert sie den Chefsessel der Verwaltung. Damit löst sich die lähmende Blockade, Verwaltung und Politik ziehen wieder an einem Strang. Für Hameln eine Riesenchance.
Aber sie muss schnell genutzt werden. Das erste Jahr der neuen Amtsperiode wird das entscheidende sein, um wichtige Weichen zu stellen. Danach wirft bereits die nächste Kommunalwahl ihre Schatten voraus, allzu schnell könnte sich der Reformgeist verflüchtigen.
Griese hat keine Zeit zu verlieren, nicht mal 137 Tage. Aufbruchstimmung bitte, jetzt!

Frank Werner
05151/200-400
f.werner@dewezet.de



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