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Parfümeurin Kathrin Kohlmeyer weiß, worauf es ankommt

Kopf und Herz im Zeichen verführerischer Düfte

veröffentlicht am 06.02.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 15.11.2016 um 17:41 Uhr

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Autor:

Karin Rohr

Sie unterstreichen die Persönlichkeit, senden individuelle Signale: Ein Duft gibt jeder Frau und jedem Mann die ganz eigene Note. „Düfte kleiden“, sagt Kathrin Kohlmeyer. Die 28-Jährige, Parfümeurin bei Symrise in Holzminden, hat eine besonders feine Nase, kennt alle Ingredienzen und weiß, wie man duftende Meisterwerke komponiert. Schöpfen können sie und ihr Team aus 2500 Rohstoffen, die für die tägliche Arbeit bei Symrise zur Verfügung stehen. Ob Seife, Waschpulver, Raumsprays, Kerzen, Kosmetika oder andere Produkte, die gut riechen – an dem auf Düfte und Aromen spezialisierten Unternehmen kommt niemand vorbei: Es versorgt mit seinen Kreationen die ganze Welt. Und so steckt auch in teuren und exklusiven Markenparfüms oft der Duft aus Holzminden.

„Ein Parfüm besteht durchschnittlich aus 40 bis 80 Bestandteilen“, erklärt Kathrin Kohlmeyer. Ein weites Feld für die Suche nach der individuellen Duftnote. Und es kommen ständig neue Artikel auf den Markt. Der Bedarf wächst: „Das Bewusstsein, sich mit einem Duft zu bekleiden, ist größer geworden“, weiß die Parfümeurin: „Damit ist auch die Nachfrage gestiegen.“ In den Regalen der Fachgeschäfte reiht sich Flakon an Flakon und führt beim Verbraucher zu Ratlosigkeit: „Welcher Duft passt zu mir?“ Eine Frage, die auch von der kompetentesten Verkäuferin nur unzulänglich beantwortet werden kann. Denn: Letztlich muss der Kunde entscheiden. Und das kostet Zeit, weiß Kathrin Kohlmeyer: „Ein Duft ist hautabhängig, daher sollte man sich mit ihm bewegen und beobachten, wie er sich im Laufe des Tages und bei unterschiedlichen Tätigkeiten entfaltet.“ Dazu gehöre auch, dass man sich freimacht von Marketing und Werbung und nur der eigenen Nase vertraut. „Man muss sich selbst mit dem Duft mögen und wohlfühlen“, sagt die Parfümeurin, findet es aber nicht falsch, enge Freunde und Lebenspartner zurate zu ziehen, wenn man unsicher ist, ob einem der Duft steht. „Am besten ein kleines Proberöhrchen abfüllen lassen und den Duft in verschiedenen Situationen testen“, empfiehlt sie. Schon aus Gründen der Geruchsgewöhnung sollte man sich aber nicht nur auf ein einziges Parfüm fixieren. „Düfte sind subjektiv und stimmungsabhängig“, sagt Kathrin Kohlmeyer, daher bieten sich auch unterschiedliche Parfüms für verschiedene Gelegenheiten an. Neben saisonalen Sommer- und Winterdüften gibt es leichtere und dezentere für Arbeitsalltag oder Sportstunden und schwerere für den Abend. Die Palette reicht von frisch, grün und moosig oder würzig über blumig-romantisch bis orientalisch-sinnlich, und die Düfte sind in unterschiedlicher Intensität zu haben. „Eau de Toilette enthält 3 bis 5 Prozent Parfüm, Eau de Parfum durchschnittlich 10 Prozent und Parfüm 15 bis 20 Prozent“, erklärt Kathrin Kohlmeyer. So lässt sich auch der Lieblingsduft je nach Tageszeit und Situation entsprechend dosieren.

Düfte entfalten sich langsam und im fließenden Übergang von „Kopf“, „Herz“ und „Fond“, wie Experten die einzelnen Duftstadien nennen: „Diese hängen von der individuellen Verdampfungskurve ab“, erklärt die Holzmindener Parfumeurin. Der „Kopf“ habe eine flüchtige Note, das „Herz“ bestehe oft aus floralen Noten, den „Fond“, die Basis, kennzeichneten meistens holzige, edible/kulinarische oder moschusartige und ambrische Noten. Für aphrodisierende Effekte setzen Parfümeure auf animalische Noten, die schon seit Jahren ausschließlich synthetisch hergestellt werden: „Alle tierischen Ingredienzen sind streng verboten“, erläutert Kathrin Kohlmeyer: „Das gilt nicht nur für Moschus.“

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Welcher Duft auch bevorzugt wird – bei richtiger Aufbewahrung hat man länger Freude daran: „Kühl und dunkel lagern“, rät die Parfümeurin, „dann hält er auch geöffnet ein bis maximal eineinhalb Jahre.“ Und auftragen sollte man ihn dort, wo die Haut am stärksten durchblutet wird – am Hals und am Puls.

Seit jeher sind Düfte mit Emotionen verbunden. Manche mag man nicht, weil sie negative Erinnerungen wachrufen. Bei anderen macht das Herz spontan einen Satz, da sie positiv besetzt sind. Der eine oder andere Klassiker bleibt über Jahrzehnte populär, die Mehrheit aber verschwindet irgendwann vom Markt und wird von moderneren Düften abgelöst. „Saisonale Düfte halten sich meistens nur ein bis zwei Jahre“, weiß Kathrin Kohlmeyer, „alle anderen durchschnittlich maximal zehn Jahre.“ Klassiker wie „Chanel No. 5“, „Rive Gauche“ von Yves St. Laurent, „Vent Vert“ von Balmain oder auch britische Düfte von Floris oder Penhaligon mit langer Tradition sind eher die Ausnahme. „Aber man kann auch ganz alte Düfte wieder neu auflegen“, sagt die Symrise-Expertin. Die streng als Geheimnis gehüteten Rezepturen liegen sicher verwahrt in Safes und sind jederzeit abrufbar. Seit Ende der 90er Jahre macht sich bei der Parfüm-Herstellung immer stärker ein Trend bemerkbar, der in Fachkreisen als „edible“ bezeichnet wird: „Darunter versteht man kulinarische Noten wie Vanille, Karamel, Schokolade, Lebkuchen oder auch Nuss,“ listet Kathrin Kohlmeyer einige Beispiele auf. Was nicht bedeutet, dass frau (oder mann) jetzt wie ein Weihnachtskeks oder eine Praline riecht: „Das Geheimnis liegt in der ausgeklügelten Kombination mit vielen anderen Bestandteilen.“ Entweder man mag solche Düfte. Oder auch nicht. „Jeder hat ohnehin Vorlieben für Farben und einen bestimmten Wohnstil und umgibt sich da unbewusst mit Düften, die er bevorzugt“, erzählt die Parfümeurin. Diese unterschwelligen Vorlieben stellen meistens auch die Weichen für die Wahl des persönlichen Lieblingsparfüms.

Wenn es um florale Noten geht, ist für Kathrin Kohlmeyer nicht etwa die Rose, sondern die Iris die Blume aller Blumen: „Sie ist auch die teuerste“, sagt sie. Der Grund: Hier werden die Duftstoffe aus der Wurzel extrahiert, die zuvor mehrere Jahre gelagert werden muss. „Wenn auch die Rose die Königin der Blumen ist – die Iris ist eine Göttin“, zitiert die Parfümeurin ihren Lieblingsspruch.



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