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Für wen jubelt Adrian Suslik? Der gebürtige Pole ist auch Fan der deutschen Fußball-Nationalmannschaft

Zwei Herzen schlagen in seiner Brust

FISCHBECK. Wenn bei der Fußball-EM Deutschland heute (21 Uhr) gegen Polen spielt, schlagen bei Lachems Reserve-Coach Adrian Suslik zwei Fan-Herzen in seiner Brust. Denn der 33-jährige Ex-Torjäger der SG Hameln 74 wurde in Polen geboren und lebt seit 1988 in Deutschland.

veröffentlicht am 16.06.2016 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:12 Uhr

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Andreas Rosslan Sportreporter zur Autorenseite

„Meine Wurzeln sind in Polen. Aber ich fühle mich als Deutscher, weil ich hier schon so lange lebe. Als ich mit meiner Familie nach Deutschland gekommen bin, war ich sechs Jahre alt. Ich bin hier zur Schule gegangen und aufgewachsen“, sagt der gebürtige Kattowitzer, der einen deutschen und auch immer noch einen polnischen Pass hat. Und für wen jubelt „Adi“, wie ihn seine Fußball-Kumpels nennen, heute Abend? Für Deutschland und für Polen, in dieser Reihenfolge. Der Bessere soll gewinnen, sagt Suslik, der das Spiel heute Abend bei sich zu Hause in Fischbeck gemeinsam mit seinen Nachbarn angucken will. „Auf der Terrasse, wenn das Wetter mitspielt.“

Dass die Polen gegen den amtierenden Weltmeister eine Chance haben, glaubt Suslik nicht: „Deutschland ist für mich bei dieser EM der Titelfavorit. Mit etwas Glück ist für Polen vielleicht ein Remis drin.“ Wenn die Polen heute gegen die DFB-Elf verlieren sollten, „dann hoffentlich nur mit einem Tor Unterschied“. Denn auch der Gruppenzweite kommt weiter – „und da kommt es am Ende möglicherweise auf das Torverhältnis an“, vermutet Suslik. Wenn es gut läuft, traut er der Nationalelf seines Heimatlandes sogar das Halbfinale zu. Neben Deutschland und Polen hat Suslik auch Italien und Gastgeber Frankreich auf der Rechnung. „Wenn die Polen ins Halbfinale kommen, ist alles möglich. Ein Finale gegen Deutschland wäre ein Traum.“

Das erste Vorrundenspiel der Polen gegen Nordirland hat Suslik am vergangenen Sonntag mit seinem Vater Alfred (58) live vorm Fernseher verfolgt – aber ohne Fanschal und rot-weißes Trikot. „Ich bin spontan zu ihm gefahren. Wir haben über das Spiel ein bisschen gefachsimpelt.“

Gegen die Nordiren, die mit Mann und Maus verteidigten, hätten sich die Polen zwar sehr schwergetan, aber verdient mit 1:0 gewonnen. „Der Sieg hätte eigentlich höher ausfallen müssen, denn die Polen waren klar überlegen.“ Nur was das Toreschießen angeht, war noch Sand im Getriebe. Auch Weltklasse-Torjäger Robert Lewandowski, der in der EM-Qualifikation 13 Tore erzielte und damit den acht Jahre alten Rekord des Nordiren David Healy einstellte, blieb blass und hatte kaum Chancen. „Für Lewandowski wird es bei dieser EM echt schwer, Tore zu schießen, weil sich die Mannschaften auf ihn konzentrieren und er ständig zwei, drei Gegenspieler hat, die ihn aggressiv verteidigen.“ Und das werde sich auch in den nächsten Spielen nicht ändern, meint Suslik, der früher selbst ein Klasse-Torjäger war. 20 Jahre trug Suslik das Trikot der SG Hameln 74 und schoss Tore am Fließband. Als der Hamelner Nordstadtklub vor zehn Jahren mit Bernd Wollborn als Trainer in die Kreisliga aufstieg, war Suslik der Top-Torjäger. „Ich habe in der Saison 36 Tore geschossen – inklusive Pokal.“

Vor wenigen Tagen hat sich die Meistermannschaft von damals an ihrer alten Wirkungsstätte an der Heinestraße wiedergetroffen, um ihr Zehnjähriges zu feiern: Thomas Kucza, Adrian Suslik, Steffan Venten, Mustafa Sariboga, Celko Blazekovic, Fatih Önder, Mike Gerberding, Zdravko Blazekovic, Ensar Atesci, Mohamed Zaiter, Roman Zolynski, Paul Olszyszka, Nils Tünnermann, René Fischer, Thorsten Tünnermann, Sebastian Kucza, Jens Geissler, Hajo Vollmer, Freddy Lücke, Dragan Kaurin, Daniel Dimitrovi, Bastian Haro, Ali Zaiter, Michael Schnelle, Lukas Matysiak, Dirk Gelhaar, Trainer Bernd Wollborn und Betreuer John Lonsdale. Die Freundschaften von damals halten bis heute, „auch wenn wir uns nur ab und zu sehen“, sagt Suslik, dessen zweijährige Tochter Cataleya auch schon das Fußballfieber gepackt hat. „Ich habe ihr versprochen, mit ihr zum Fußball ins Stadion zu gehen. Und da freut sie sich schon drauf.“



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