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40 Jahre Kreisliga: 1954 Meisterkapitän von Hannover 96 – später Trainer beim TSV Benstorf-Oldendorf

Werner Müller – der stille Held

Mensch, wie die Zeit vergeht. Die Fußball-Kreisliga feiert 2019 ihren 40. Geburtstag. Heute lesen Sie im letzten Teil unserer Serie, wie Fußball-Legende Werner Müller – 1954 Kapitän der Meistermannschaft von Hannover 96 – als Trainer mit dem TSV Benstorf-Oldendorf in die Kreisliga aufstieg.

veröffentlicht am 22.03.2019 um 15:06 Uhr

Die Kapitäne des 1954er Endspiels: Werner Müller (96, l.) und Fritz Walter (1. FCK). Foto: Hannover 96/Archiv
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Andreas Rosslan Sportreporter zur Autorenseite
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Wenn man Armin Bollmann fragt, was für ein Mensch sein früherer Trainer Werner Müller war, schwelgt der ehemalige Fußballer des TSV Benstorf/Oldendorf 05 in Erinnerungen: „Werner Müller war ein sehr bescheidener, sehr zurückhaltender Mensch. Aber in der Kabine konnte er auch schon mal laut werden.“ Das sei aber nicht so oft vorgekommen. „Uns Spieler hat er immer fair und mit Respekt behandelt“, so Bollmann. „Ich werde nie vergessen, wie mich Werner Müller 1980 als Jugendlicher in den Herren-Kader hochgezogen hat. Damals war ich 17 Jahre alt. 1983 sind wir mit ihm als Trainer in die Kreisliga aufgestiegen.“ Das inzwischen etwas vergilbte Meisterfoto von damals hat der 55-Jährige heute noch. „Ich bin immer noch stolz, dass ich als junger Spieler unter Werner Müller trainieren durfte. Er ist bis heute mein großes Vorbild.“ Schließlich war „Herr Müller“, wie ihn die Spieler des kleinen Dorfklubs respektvoll nannten, nicht irgendwer, er war 1954 Kapitän der Meistermannschaft von Hannover 96. Und einer der besten Fußballer seiner Zeit, auch wenn der gebürtige Oldendorfer unter Bundestrainer Sepp Herberger nie den Sprung in die deutsche Nationalmannschaft schaffte.

Auf „ihren“ Werner Müller, der 2012 im Alter von 86 Jahren starb, sind die Oldendorfer immer noch stolz wie Oskar, sagt Bollmann. Schließlich sei er als waschechter Oldendorfer „einer von uns“ gewesen. Sein ganzes Leben war Müller Vereinsmitglied beim TSV Benstorf-Oldendorf, wo seine erfolgreiche Fußball-Karriere einst begann. Als sein Heimatverein die Jugendmannschaft „mangels Masse“ auflösen musste, schloss sich Müller, damals noch ein junges Fußballtalent, der heutigen SpVgg. Bad Pyrmont an, die damals noch MTSV hieß. 1943 wurde er zum Arbeitsdienst und ein Jahr später zur Wehrmacht eingezogen. Nach seiner Kriegsgefangenschaft kehrte Müller 1946 zum TSV zurück – aber nur kurz. Schon ein Jahr später wechselte er zur SpVgg. Hameln 07, die sich kurze Zeit später mit Preußen zusammenschloss. 1949 wurde Müller mit 07 Meister, verpasste aber mit Preußen den Aufstieg in die Oberliga Nord. 1950 wechselte Müller mit seinem Freund Ludwig „Eugen“ Pöhler von Hameln nach Hannover, unterschrieb bei 96 einen Profivertrag und bekam einen Job bei Conti. Trainiert wurde drei-, viermal die Woche – nach der Arbeit.

1953 war Müller Kapitän der 96er geworden, nachdem sich Pöhler mit Hannovers Trainerlegende Helmut „Fiffi“ Kronsbein überworfen hatte. Dass Hannovers „Elf der Namenlosen“ mit Müller als Kapitän 1954 den Titel holte, war damals eine Sensation. Der 1. FC Kaiserslautern, bereits 1951 und 1953 Meister, war klarer Favorit. Die 96er, die damals im Gegensatz zum 1. FCK keinen einzigen Nationalspieler in ihren Reihen hatten, schlugen den Titelverteidiger vor fast 80 000 Zuschauern im Hamburger Volksparkstadion nach 0:1-Rückstand mit 5:1 – auch dank Müller. 96-Trainer Kronsbein hatte seinen Kapitän auf Deutschlands seinerzeit größten Fußballer überhaupt angesetzt: Fritz Walter, der sechs Wochen später als Kapitän der Nationalmannschaft Deutschland zum Weltmeistertitel führen sollte. Die Taktik ging auf. Der „blonde Werner“, damals 28 Jahre alt, verlor gegen den berühmtesten roten Teufel nur ein einziges Duell: Bei der Seitenwahl – Lautern hatte Anstoß.

3 Bilder
Werner Müller (l.) 1983 mit der Meistermannschaft des TSV Benstorf-Oldendorf. Foto: privat

Es gibt ein Foto, auf dem Walter nach dem Spiel Müller die Hand reicht und gratuliert – wie lange danach noch jedes Jahr zum Geburtstag.

Ein fast schon vergessenes Erinnerungsstück soll für Müller ein Telegramm gewesen sein, das er am Vorabend des 54er Finales vom Vorsitzenden des TSV Benstorf-Oldendorf, Fritz Krage, bekommen hatte – mit dem Inhalt: „Fußball angefangen bei uns, heute Endspielteilnehmer. Wir freuen uns und wünschen Sieg Dir Werner.“ 1957 hing Müller seine Fußballschuhe an den berühmten Nagel und wurde Trainer. Über Borussia Hannover, HSC Hannover, Linden 07, Preußen Hameln 07 (wo er 1970 Meister der Verbandsliga wurde, aber den Sprung in die Niedersachsen-Liga nicht schaffte und später seine Zelte sogar vorzeitig abbrechen musste), HSC Hannover, TuS Celle, SSV Elze und Hildesheim 06 führte ihn sein Weg noch einmal zurück zu seinem Heimatverein – die letzte Station seiner Trainer-Karriere.

Der ehemalige Vereinsvorsitzende Rudolf „Rudi“ Kielgast soll ihn damals als Trainer geholt haben, um den TSV Benstorf-Oldendorf vor dem drohenden Abstieg in die 2. Kreisklasse zu retten. „Wann das war, weiß ich nicht mehr so genau. Es müsste in der Saison 1979/80 gewesen sein“, sagt Werner Fiebig, der damals Kapitän und später Betreuer war. „Wir waren alle Straßenfußballer, die noch nicht einmal den Ball richtig stoppen konnten. Ich kann mich noch gut an die Worte von Rudi Kielgast erinnern: Menschenskinder, ihr müsst mal einen richtigen Trainer haben.“ Dass Müller damals den Trainerjob bei seinem Heimatverein übernommen habe, sei ein Freundschaftsdienst gewesen, „weil er Rudi aus seiner Jugendzeit kannte und mit ihm befreundet war“. Eigentlich wollte Müller nur bis Saisonende als Trainer aushelfen. Doch dann blieb er doch länger und stieg mit Benstorf-Oldendorf 1983 in die Kreisliga auf. „Die Meisterfeier war heftig. In unserem Vereinsheim war der Teufel los“, erzählt Bollmann. Während die Spieler den Titelgewinn feuchtfröhlich bis spät in die Nacht gefeiert hätten, habe sich Müller, ein eher stiller Vertreter seiner Zunft, schon früh verabschiedet: „Er hat eine Flasche Bier getrunken und ist dann nach Hause gefahren.“

Müller sei damals der Vater des Erfolges gewesen – und ein super Trainer. „Er hat uns Spieler oft gelobt, war aber nie zufrieden. Er hat immer gesagt: Du warst ja eigentlich ganz gut, aber…“, erinnert sich Fiebig, der nach seinem Schien- und Wadenbeinbruch seine Fußball-Karriere beenden musste, an die Worte seines alten Trainers. Müller sei kein Freund von Waldläufen gewesen, „nur einmal waren wir im Osterwald laufen. Mit Taschenlampe in der Hand, weil es schon dunkel war“. Müller war im Training auch immer für einen Spaß zu haben. „Ich kann mich noch daran erinnern, dass er mit unserem Torwart Burkhard Edeler um einen Kasten Bier gewettet hat. Vom Strafraumeck hat er von zehn Schüssen acht im Tor versenkt. Selbst mit Mitte fünfzig war er noch ein Klasse-Fußballer.“ In der Ära Müller sei die Euphorie riesig gewesen: „Bei unseren Heimspielen waren immer 500 bis 600 Zuschauer, 1983 beim Derby gegen Lauenstein sogar 700.“ Der kleine Dorfklub hatte damals die wohl heißblütigsten Fans der Liga, die die Müller-Elf in jedem Spiel mit Pauken und Trommeln lautstark anfeuerten und nach vorn peitschten. Nach dem Kreisliga-Aufstieg blieb Müller noch zwei Jahre, bevor er sich als Trainer in den Ruhestand verabschiedete. Der Kontakt zu ihm sei aber nie abgerissen: „Wir haben ihn oft zu Hause in Elze besucht. Und ab und zu war er auch als Zuschauer bei unseren Spielen“, so Fiebig. Der Verein, dem Müller bis zu seinem Tod als Mitglied treu blieb, lag ihm am Herzen. In seinem Geburtsort ist Werner Müller eine Legende. Unvergessen – bis heute.



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