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Die 14-jährige Anna-Maria Schulze vom SC Diedersen ist eine der talentiertesten Dartspielerinnen

„Wenn ich zu viel denke, dann treffe ich nix“

Das war ein Schock: Vor drei Monaten stürzte Anna-Maria Schulze vom Pferd – und brach sich den linken Arm. Aber die 14-Jährige hatte Glück im Unglück, obwohl sie in der Klinik operiert werden musste. Nach nur einer Woche trainierte die talentierte Dartspielerin schon wieder – mit Gips.

veröffentlicht am 10.11.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 29.05.2017 um 17:28 Uhr

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Andreas Rosslan Sportreporter zur Autorenseite

Rechtzeitig zur Weltmeisterschaft in Charlotte (USA), die sie mit dem Gewinn der Bronzemedaille krönte, war Anna-Maria wieder fit. In Deutschland ist die Gymnasiastin nicht nur eine der jüngsten Spielerinnen, sondern in ihrer Altersklasse auch eine der besten. Das hört Anna-Maria zwar nicht so gerne. Aber es stimmt. Sie ist ein Ausnahmetalent.

„Mein Vorbild ist Trina Gulliver.“ Die siebenfache Weltmeisterin aus England war übrigens der erste weibliche Dart-Profi der Welt. Ob das „Golden Girl“ des SC Diedersen irgendwann einmal in ihre Fußstapfen treten kann, steht noch in den Sternen. Ihre Karriere begann vor drei Jahren. Im zarten Alter von elf Jahren fing die aufgeweckte Schülerin mit Dartspielen an.

„Das ist auf meinem Mist gewachsen“, plaudert ihre Mutter Claudia aus dem Nähkästchen. Sie legte ihrer Familie vor drei Jahren eine Dartscheibe unter den Weihnachtsbaum. Das Geschenk entpuppte sich als Volltreffer. Heute spielt die ganze Familie. Besonders brisant sind die Duelle zwischen Anna-Maria und ihrem Vater Andreas, den sie liebevoll „Dino“ nennt. Seine Tochter gewinnt zwar nicht immer gegen ihn – aber immer öfter: „Sie wird von Tag zu Tag besser. Im Training ist sie sogar noch stärker als im Turnier“, versichert der Vater. „Sie kann das Spiel ziemlich schnell mit einem Double-Out beenden.“

Weil Anna-Maria beim Werfen oft einen Killerinstinkt wie ein Hai beweist, taufte „Dino“ sie „Sharky“. „Ich finde den Spitznamen aber blöd“, verrät Anna-Maria, die sehr trainingsfleißig ist. Zu Hause vorm Fernseher auf dem Sofa zu sitzen, ist nicht ihr Ding. „Ich mache fast jeden Tag Sport: Reiten, Aikido, Karate – und Dart.“

Die Leidenschaft, mit Pfeilen auf die Scheibe zu werfen, hat inzwischen auch ihren Bruder Tim gepackt. Dass er ab und zu auch gegen seine „kleine Schwester“ verliert, stört ihn nicht: „Dafür spiele ich besser Fußball als sie.“

Außerdem kämpfe seine Schwester manchmal mit ganz fiesen Tricks, verrät Tim. „Wenn sie zu verlieren droht, pustet sie mir beim Werfen ins Ohr.“ Das ist bei offiziellen Wettkämpfen selbstverständlich nicht erlaubt. Zuletzt bewies die 14-Jährige, die in der vergangenen Saison fünf Turniersiege holte, in Hamburg ihr goldenes Händchen. Im Finale gegen Michelle Wagner konnte sie sich mit 2:0, 0:2 und 2:1 durchsetzen. Das Spiel beendete sie mit einem 110 „Bullfinish“.

Fast immer, wenn es drauf ankommt, beweist Anna-Maria ihre Nervenstärke. „Aber es gibt auch Tage, an denen bei mir überhaupt nichts klappt.“ Das war zuletzt beim Turnier in Nürnberg der Fall. Über sechs Stunden dauerte die Bahnfahrt. Nach zwei deftigen Niederlagen konnte Anna-Maria mit ihren Eltern schon wieder die Heimreise antreten. „Das war frustrierend. Immer, wenn ich zu viel nachdenke, dann treffe ich nix.“ Das sei aber zum Glück nicht so oft der Fall.

Einen Lauf hatte Anna-Maria vor etwa einem Jahr, als sie ein Spiel nach dem anderen gewann – und selbst die Erwachsenen ins Schwitzen brachte. „Das war der absolute Wahnsinn“, erinnert sich ihre Mutter. Damals habe ihre Tochter mehrere „180er“ in einem Spiel geworfen – die höchste Punktzahl, die man mit drei Pfeilen überhaupt erreichen kann. „Im Gegensatz zu meiner Tochter habe ich das nur dreimal im ganzen Leben geschafft.“

Tipps und Tricks zum Werfen der Pfeile gibt es übrigens nicht, meint Anna-Maria: „Die eine richtige Technik gibt es beim Dartspielen nicht. Jeder muss für sich selbst herausfinden, welcher Wurfstil am besten zu ihm passt.“ Entscheidend sei der richtige Griff, die flüssige Wurftechnik und die Fußstellung. Anna-Maria hält ihren Pfeil wie einen Stift und hat ihren rechten Fuß vorne.

Ein Ritual beim Werfen hat die Schülerin zwar nicht. „Aber ein bisschen abergläubisch bin ich schon“, gibt die 14-Jährige zu. Sie wirft nämlich immer nur mit Pfeilen, deren Flügel ein ganz bestimmtes Motiv haben: „Entchen – weil die so süß sind.“

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