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Darum ist der Pokal-Wettbewerb bei vielen Handballvereinen in Niedersachsen so unbeliebt

Weder lukrativ noch reizvoll

Hameln-Pyrmont. Der Pokal-Wettbewerb ist bei vielen Handballvereinen in Niedersachsen unbeliebt. Warum eigentlich? Der HVN-Pokal sei weder lukrativ noch sportlich reizvoll, sagen Vereinsvertreter. Deshalb ist der Wettbewerberb für viele Handballklubs nur eine lästige Pflichveranstaltung – mehr nicht.

veröffentlicht am 05.11.2015 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 26.10.2016 um 08:49 Uhr

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„Wenn man aufs Spielfeld geht, will man gewinnen“, da sind sich die Handballer einig. Doch wenn der Handballverband Niedersachsen/Bremen die Mannschaften zum HVN-Pokal aufruft, sinkt der sportliche Ehrgeiz bei vielen Vereinen auf null. „Unattraktiv, unnötige Mehrbelastung“, so lauten nur zwei von zahlreichen Gründen, warum der Pokalwettbewerb in der Handball-Familie überwiegend als Stiefkind angesehen wird.

Da zog sich am vergangenen Wochenende Bernd Ricke, der 56-jährige Torwart-Trainer des VfL Hameln, sogar noch einmal das Trikot über, weil sich viele Spieler des Oberligisten einfach mal eine Pause gegönnt hatten. Für Ricke verständlich: „Wir haben in dieser Saison 32 Punktspiele zu bestreiten, die Saison endet erst Anfang Juni des kommenden Jahres. Da sind die Pokalspiele, die der Verband den Vereinen als Pflichtaufgabe aufdrückt, sicher keine gute Lösung.“ Den Pokalrunden fehlt es zudem an der nötigen Attraktivität, dazu verursachen sie bei den teilnehmenden Mannschaften fast nur zusätzliche Kosten. Und wenn es ums Geld geht, hört bei den meisten Vereinsvertretern bekanntlich der Spaß auf. Einen Pokalwettbewerb, der die Kasse belastet, löst wenig Freude aus. Am Ende steht selbst der Pokalsieger mit leeren Taschen da. Denn außer „dem Pott“ bringt der Pokalleiter bei der Finalrunde für den Sieger nichts mit. „Zu wenig, um die Sache lukrativ zu machen“, heißt es in den meisten Klubs.

Auch für Stephan Kutschera, den Vorsitzenden der TSG Emmerthal, ist der Pokal ein Zusatzgeschäft: „Mit dem Pokal lockt man auch kaum Zuschauer.“ Er kann der Pflichtveranstaltung aber immerhin sportlich etwas Positives abgewinnen: „Wir nutzen den Pokal dazu, jungen Spielern mehr Spielanteile zu geben und sie in die erste Mannschaft einzuführen.“ Spielleiter des vor zwei Jahren reformierten Pokal-Geschehens in Niedersachsen ist Jens Buchmeier. „Nach dieser Saison werden wir den Pokalwettbewerb erneut auf den Prüfstand stellen. Da sind wir in allen Richtungen offen“, sagte Buchmeier, der auch herausstellte, dass der Pokal durchaus nicht bei allen Vereinen negativ gesehen wird. Doch dass der Wettbewerb trotz der ersten Reform bei vielen Vereinen immer noch als lästige Zusatzbelastung angesehen wird, ist bei den Pokal-Verantwortlichen angekommen. „Vielleicht müssen wir den Wettbewerb auch mit Geldprämien attraktiver machen“, stellte Buchmeier, der auch als Pressesprecher des Zweit-Bundesligisten HF Springe aktiv ist, im Aussicht. Damit spricht er Hamelns Routinier Oliver Glatz aus der Seele. Denn ihm schwebte schon in der vergangenen Saison die Idee vor, den Wettbewerb durch Siegprämien für die Vereine interessanter zu machen.

Eine Veränderung tritt bereits in der kommenden Saison in Kraft. Der Deutsche Handballbund hat das Pokalgeschehen reformiert. Die Finalisten der Landesverbände sollen künftig den DHB-Amateurpokal ausspielen. Der Sieger darf dann in der Hauptrunde des DHB-Pokal mitspielen. Für die Vereine der unteren Spielklassen ein weiter Weg. Wer tatsächlich von einem Pokalduell gegen den THW Kiel oder die Rhein-Neckar Löwen träumt, muss einen ganz langen Atem haben. Erst im Landespokal, im Jahr darauf im Amateurpokal die Hauptrolle spielen, um dann vielleicht tatsächlich mal das große Los zu ziehen. Attraktiv geht anders...



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