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Acht Spielerinnen verlassen Eintracht Hameln, weil Marco Atalay neuer Trainer wird

Was ist bloß beim ESV los?

Hameln. Was ist bloß beim ESV los? Mindestens acht Spielerinnen werden den Frauenfußball-Bezirksligisten Eintracht Hameln verlassen, weil Marco Atalay neuer Trainer wird. Damit haben einige Spielerinnen offenbar ein Problem - unter anderem auch Claudia Bubat: „Unter ihm werde ich auf gar keinen Fall spielen.“

veröffentlicht am 24.11.2015 um 11:26 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 14:25 Uhr

aro

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Sportreporter zur Autorenseite

Beim ESV Eintracht Hameln rumort es hinter den Kulissen. Und zwar gewaltig. Nach Information der Dewezet werden mit Jaqueline Edeler, Angelina Jeske, Romina Watts, Annika Bothe, Carmen Bockstiegel, Jaqueline Janssen, Meike Becker-Bubat und Claudia Bubat mindestens acht Spielerinnen den Fußball-Bezirksligisten sofort verlassen und aus dem Verein austreten.

Der Grund für die plötzliche Austrittswelle ist, dass der bisherige Juniorinnencoach Marco Seyit Atalay, der offenbar nicht unumstritten ist, bei einer Teambesprechung von Spartenleiter Vedat Ilgay als neuer Frauentrainer vorgestellt wurde. „Unter ihm werde ich auf gar keinen Fall spielen. Das hat nichts damit zu tun, ob ich ihn persönlich mag oder nicht. Eine Zusammenarbeit mit ihm kommt für mich nicht infrage, weil in der Vergangenheit Dinge vorgefallen sind, die ich nicht tolerieren kann“, begründet Claudia Bubat, die nach dem Rücktritt von Sven Brostedt seit Ende September als Interimstrainerin aushalf, ihre Entscheidung. Und die sei ihr nicht leichtgefallen, wie sie betont. „Jeder weiß, dass mir der Verein am Herzen liegt. Es ist wirklich schade, dass unsere Mannschaft jetzt auseinanderbricht, denn unsere ehemaligen Trainer, Markus Mende und Sven Brostedt, haben hier in den vergangenen Jahren tolle Arbeit geleistet“, so Bubat. Die Spielerinnen hätten gerne für den ESV weitergespielt, betont Bubat. Das bestätigt auch Mannschaftsführerin Annika Bothe, die seit der Gründung der Frauenfußballmannschaft im Jahr 2002 alle Höhen und Tiefen des ESV miterlebte – wie Jaqueline Edeler und Angelina Jeske, die ebenfalls von Anfang an dabei waren. „Wir sind alle maßlos enttäuscht, dass die Trainerfrage über unseren Kopf hinweg entschieden wurde“, sagt Bothe. Sie sei total überrascht gewesen, dass der ESV bei der Teambesprechung am vergangenen Freitag Atalay als neuen Frauencoach vorgestellt habe. „Und das, obwohl bekannt war, dass einige Spielerinnen mit ihm menschlich überhaupt nicht klarkommen.“ Doch das sei Spartenleiter Vedat Ilgay offenbar egal gewesen. Eigentlich sollte Ahmet Bicakci, der Kapitän des ESV-Herrenteams, neuer Chefcoach der Bezirksligafrauen werden. Doch der wird jetzt Co-Trainer von Atalay.

Eine Entscheidung, die Spartenleiter Vedat Ilgay verteidigt: „Es ist nicht leicht, während der Saison einen neuen Trainer zu finden. Ich glaube, dass wir mit Marco Atalay und Ahmet Bicakci eine gute Lösung gefunden haben“, so Ilgay. Als Spartenleiter sei er dafür verantwortlich, wer die Mannschaft trainiert – und nicht die Spielerinnen, von denen einige schon vor Bekanntgabe des neuen Trainers bei anderen Klubs mittrainiert hätten. „Da habe ich mich ein bisschen verarscht gefühlt. Nichtsdestotrotz hätte ich mir gewünscht, dass alle Spielerinnen bei uns bleiben.“ Die Hoffnung hat der Spartenleiter jedenfalls noch nicht aufgegeben: „Ich werde nochmal mit ihnen sprechen und versuchen, sie umzustimmen. Es wäre wirklich traurig, wenn sie uns verlassen sollten.“ Unabhängig davon, ob die Spielerinnen bleiben oder gehen, steht für Ilgay fest, „dass wir die Mannschaft auf gar keinen Fall aus der Bezirksliga abmelden werden“. Der ESV sei mit zwei, drei Neuzugängen im Gespräch, so Ilgay. Namen wollte er aber nicht nennen. Möglicherweise hat der Spartenleiter auch einige Spielerinnen des TSV Nettelrede, der vor wenigen Tagen seine Frauenmannschaft aus der Bezirksliga zurückgezogen hat, als mögliche Neuzugänge auf der Liste. Außerdem sollen Spielerinnen aus der zweiten Mannschaft, die in der Kreisliga spielt, und mittelfristig auch Nachwuchsspielerinnen des Vereins in den Bezirksligakader des ESV integriert werden. „Da sind einige Talente dabei, die den Sprung in unsere erste Mannschaft schaffen können.“

Vereinschef Manfred Scholz hofft nach den internen Querelen, „dass bei uns wieder Ruhe einkehrt“ und bis zum Ende der Winterpause im März alles wieder in vernünftigen Bahnen läuft. Über die Entscheidung, dass Atalay als Trainer die Bezirksligafrauen des ESV übernimmt, habe er zwar mit Spartenleiter Vedat Ilgay gesprochen und auch seine Meinung dazu geäußert. In diesem Zusammenhang betont Scholz aber auch: „Bei der Trainersuche mische ich mich als Vereinsvorsitzender nicht ein. Das ist die Angelegenheit der Fußballabteilung.“ Dass einige Spielerinnen den ESV verlassen wollen, sei schade. „Uns bleibt nichts anderes übrig, als die Entscheidung zu akzeptieren.“ Was einen Vereinswechsel im Winter angeht, werde der ESV den abwanderungswilligen Spielerinnen, die sich mit dem ESV identifiziert und jahrelang für die Eintracht alles gegeben hätten, keine Steine in den Weg legen: „Alle bekommen von uns die sofortige Freigabe“, versichert Scholz. „Das sind wir ihnen schuldig.“



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