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Jahreshauptversammlung unterbrochen: Ralf Kämper tritt kurz nach seiner Wahl zum Vorsitzenden zurück

Tohuwabohu bei der SG 74

Hameln. Erst wurde Ralf Kämper bei der Jahreshauptversammlung der SG Hameln 74 von der Mehrheit der 44 anwesenden Mitglieder zum neuen Vereinsvorsitzenden gewählt. Nur wenige Minuten später trat Kämper wieder zurück und räumte seinen Platz für Karsten Baum, weil die Zukunft der SG 74 auf dem Spiel stand.

veröffentlicht am 21.02.2016 um 14:45 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:16 Uhr

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Andreas Rosslan Sportreporter zur Autorenseite

„Was passiert hier gerade?“ Thomas Richter schlug bei der Jahreshauptversammlung der SG Hameln 74 die Hände vors Gesicht und schüttelte nur mit dem Kopf. „Was ist nur aus der SG 74 geworden“, murmelte Richter, der beim Hamelner Nordstadtklub Mitglied des Ehrenrates ist, leise vor sich hin. So ein Tohuwabohu wie bei der Versammlung hatten er und die anderen anwesenden Vereinsmitglieder bestimmt noch nicht erlebt.

Die vereinsinternen Querelen, die in den vergangenen Wochen für Schlagzeilen und mächtig Unruhe im Klub sorgten, haben das Klima in den Reihen der SG 74 offenbar so stark belastet, dass der Verein sogar kurz vor der Auflösung stand. Nach der Wahl von Ralf Kämper zum ersten Vorsitzenden, der sich in einer Kampfabstimmung gegen Walter Mey durchsetzte, kam es zum Eklat. Die Jahreshauptversammlung musste für über eine halbe Stunde unterbrochen werden. Der Grund: Weder der bisherige 2. Vorsitzende Walter Mey noch der Schatzmeister Ulrich Scharf waren nach der Wahl von Kämper zum Vereinschef bereit, erneut zu kandidieren. Und weil auch kein anderer der anwesenden Mitglieder kandidieren wollte, hatte die SG 74 plötzlich keinen handlungsfähigen geschäftsführenden Vorstand mehr. Weil der Verein nicht mehr geschäftsfähig gewesen wäre, drohte sogar die Auflösung. Da im ersten Augenblick keiner wusste, wie es weitergehen sollte, wurde die Jahreshauptversammlung für eine Krisensitzung unterbrochen. Das Ergebnis: Der neu gewählte Vereinschef Ralf Kämper trat „im Interesse des Vereins“ sofort wieder zurück, um das Schlimmste zu verhindern. Ihm blieb auch quasi nichts anderes übrig. Wäre er Vereinsvorsitzender geblieben, wäre das Aus der SG 74 wohl besiegelt gewesen.

So kamen die Neuwahlen des Vereinsvorstandes mit Zustimmung der 44 stimmberechtigten Mitglieder erneut auf die Tagesordnung. Ein Novum in der über 40-jährigen Vereinsgeschichte des Hamelner Nordstadtklubs, der – wie berichtet – im Jahr 2014 in den Fokus des Finanzamtes geraten war und im vergangen Jahr Steuern und Sozialabgaben in Höhe von knapp 30 000 Euro nachzahlen musste, weil laut Schatzmeister Ulrich Scharf unter der Regie des ehemaligen Vereinsvorstandes um den Vorsitzenden Thomas Thimm versehentlich Spielergehälter nicht ordnungsgemäß angemeldet wurden. Und daran hat die SG 74 heute noch zu knappern. Doch wenn die zurzeit noch laufende Umsatzsteuerprüfung für die Jahre 2011 bis 2013 keine weiteren bösen Überraschungen mehr bringen sollte, „bekommen wir die finanziellen Probleme in den Griff“, ist Karsten Baum, der am späten Samstagabend mit großer Mehrheit zum neuen ersten Vorsitzenden gewählt wurde, optimistisch. Klar ist jedoch, dass die Zeiten, in denen die SG 74 viel Geld für Transfers und Spielergehälter ausgegeben hat, erst einmal vorbei sind. „Das können wir uns nicht mehr leisten“, betont Baum, der im Vorstand von Walter Mey als 2. Vorsitzenden, Schatzmeister Ulrich Scharf und dessen Stellvertreterin Anja Hölscher sowie Sozialwartin Sonja Geißler unterstützt wird. Ungewiss ist zum jetzigen Zeitpunkt noch, ob es weiter Landesligafußball an der Heinestraße geben wird.

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  • Der neue Vorstand der SG Hameln 74. aro
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  • Seine Amtszeit als Vereinsvorsitzender der SG Hameln 74 dauerte nur wenige Minuten: Ralf Kämper trat kurz nach seiner Wahl aus Vereinschef zurück, um den Super-Gau zu verhindern. aro/2

Zwar steht fest, dass Co-Trainer Dirk Schumachers im Sommer Nachfolger von Cheftrainer Paul Bicknell werden soll, der – wie berichtet – zum TSV Bisperode wechselt. Die Frage ist, ob Schumachers für die neue Saison einen landesligatauglichen Kader zur Verfügung hat. Weil vonseiten des alten Vorstandes bisher noch keine Gespräche mit der Mannschaft geführt wurden, weiß zurzeit niemand, wie viele Spieler des aktuellen Kaders weiter für die SG 74 spielen wollen – und unter welchen finanziellen Voraussetzungen. „Es macht keinen Sinn eine Mannschaft für die Landesliga zu melden, wenn nur drei Spieler übrig bleiben“, machte Schumachers den Ernst der Lage deutlich.

Bis Mitte März will Fußball-Abteilungsleiter Frank-Uwe Schmidt zusammen mit Dennis Kießig mit den Spielern sprechen, von denen einige bereits bei anderen Klubs als Neuzugänge im Gespräch sind. Es scheint zum jetzigen Zeitpunkt zumindest nicht ausgeschlossen, dass die Landesliga-Mannschaft am Saisonende auseinanderbricht. Von Torwart Frederick Quindt hat sich die SG 74 im Winter getrennt. Rik Balk wird (Spieler-) Trainer beim TuS WE Lügde. Egcon Musliji ist als Neuzugang beim Regionalligisten TSV Havelse im Gespräch. Und Josef Selensky will in der nächsten Saison erst einmal eine Pause machen.



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