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Krisensitzung beim Hamelner Traditionsklub / Muss der Verein in drei Wochen Insolvenz anmelden?

Tod oder Gladiolen – Preußen am Scheideweg

Von Andreas Rosslan

veröffentlicht am 17.05.2010 um 17:04 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 17:21 Uhr

Fußball. Krisensitzung bei Preußen Hameln 07! Gestern Vormittag versammelte sich die Chefetage des hoch verschuldeten Klubs im Büro von Roman von Alvensleben, der mit seinem Interview (wir berichteten) für mächtig Wirbel sorgte. Nach der öffentlichen Kritik des Vereinsvorsitzenden an seinen Vorstandskollegen gab es offenbar Gesprächsbedarf. Klar ist: Der Vereinsvorsitzende, der aus Enttäuschung mit dem Gedanken spielte, nach nur einem Jahr sein Amt schon wieder zur Verfügung zu stellen, macht weiter. Ein vorzeitiger Abschied ist vorerst kein Thema mehr. Bis zum Saisonende jedenfalls. „So schnell gebe ich nicht auf“, sagte von Alvensleben unmittelbar nach dem Krisengipfel, an dem unter anderem auch Roman Klodnyckyj, Carsten Dreier, Bernd Schoster, Fritz Oehme und Axel Marahrens teilgenommen haben sollen.

Die Preußen, die zurzeit in der Oberliga auf einem Abstiegsplatz sind, stehen am Scheideweg. Die Vereinskasse ist leer. Und die Gläubiger, die von der Vereinsführung auf den Sankt-Nimmerleins-Tag vertröstet wurden, stehen Schlange. Ist der in finanzielle Schieflage geratene Klub überhaupt noch vor der drohenden Pleite zu retten?

Diese Frage bereitet selbst von Alvensleben zurzeit große Kopfschmerzen: „Die Lage ist ernst. Aber wir geben die Hoffnung nicht auf.“ Im gleichen Atemzug räumte der Fachanwalt für Strafrecht ein, dass es nicht ausgeschlossen ist, dass der Verein in drei Wochen Insolvenz anmelden muss. In diesem Zusammenhang zitierte der 07-Boss eine niederländische Redewendung von Bayern-Coach Louis van Gaal, um den Ernst der Lage zu verdeutlichen: „Für uns geht es um Gladiolen oder Tod.“ Im Klartext: In den nächsten Tagen und Wochen geht es für 07 nicht nur sportlich um alles oder nichts. Viel wichtiger als der Klassenerhalt ist es, die drohende Pleite zu verhindern. Der Benefizkick gegen Hannover 96 war mit nur 1300 zahlenden Zuschauern kein Besuchermagnet, sondern aus finanzieller Sicht ein Flop. Auch gegen Fortuna Düsseldorf war die Tribüne nur spärlich gefüllt. Von Alvensleben räumt ein, dass er davon ausgegangen ist, dass insbesondere die 96-Partie für die Preußen ein Blankoscheck über 50 000 Euro ist. Doch weil das Zuschauerinteresse wesentlich geringer war als erwartet, nahm der Verein statt der erhofften 50 000 Euro plus X nur knapp 15 000 Euro ein – wenn überhaupt. Was unterm Strich, nach Abzug aller Kosten, übrig bleibt, ist nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Dem Verein fehlen jetzt 35 000 Euro, „die wir fest eingeplant hatten“. Der Preußen-Chef hat sich offenbar verpokert, weil er alles auf die Karte 96 gesetzt hat. Jetzt muss von Alvensleben mit den Gläubigern des Klubs wieder neu verhandeln – und gleichzeitig neue Sponsoren suchen. Das ist nicht so einfach.

Die Hoffnung, dass es auch in der nächsten Saison im Weserberglandstadion Oberligafußball zu sehen sein wird, hat er zwar noch nicht ganz aufgegeben. Doch es stellt sich die Frage, ob eine weitere Oberligasaison überhaupt Sinn machen würde. Die Mannschaft um Kapitän Bastian Stellmacher ist zwar durchaus oberligatauglich. Allerdings fehlt Preußen das nötige Geld, um sich die Spielklasse überhaupt leisten zu können.



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