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Kapitän wird nicht mehr das Preußen-Trikot tragen / Auch Sebastian Schmidt verlässt Hameln 07

Stellmacher geht: „Ich habe die Schnauze voll!“

Von Andreas Rosslan

veröffentlicht am 30.06.2010 um 16:29 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 14:21 Uhr

Fußball. „Ich habe die Schnauze voll!“ Bastian Stellmacher ist sauer. Und zwar richtig sauer. Auf Preußen Hameln 07, auf den Vereinsvorstand um Roman von Alvensleben und auch auf den neuen Trainer Rolf Schünemann, der sich jetzt einen neuen Abwehrchef suchen muss. „Das ist eine absolute Frechheit wie man mit uns Spielern umgeht, die für Preußen in der Oberliga noch die Kohlen aus dem Feuer geholt haben. Ich habe das Gefühl, dass man uns hier loswerden will“, macht der 07-Kapitän seinem Unmut Luft – und zieht die Konsequenzen. Den 07-Kapitän Stellmacher wird es nicht mehr geben. „Ich werde nicht mehr für Preußen spielen!“ Rumms.

Diese Nachricht schockt die Preußen-Fans! Immerhin ist Stellmacher, der seit zehn Jahren das Trikot des Hamelner Traditionsklubs trug, die Galionsfigur bei 07. Er ist ein absoluter Führungsspieler. Kategorie: Unverzichtbar. Auf ihn war immer Verlass – in guten und in schlechten Zeiten. Der 27-Jährige, der viele Höhen und Tiefen bei 07 hautnah miterlebte, schwor seinem Verein in der Vergangenheit immer die Treue. Selbst nach dem Abstieg in die Landesliga kündigte er an: „Ich bleibe!“

Auch nachdem der hoch verschuldete Verein Insolvenz anmelden musste, wollte er Preußen nicht im Stich lassen. Doch jetzt zog Stellmacher einen Schlussstrich: „Wer mich kennt, der weiß, dass mir die Entscheidung nicht leichtgefallen ist. Nachdem ich mich vom Verein abgemeldet hatte, war ich total traurig“, gibt der Abwehrchef, der aufgrund eines Muskelabriss im Oberschenkel und eines Meniskuseinrisses noch lange ausfällt, einen Einblick in seine Gefühlswelt. Von 07-Boss Roman von Alvensleben und vom neuen Preußen-Coach Rolf Schünemann ist er maßlos enttäuscht, „weil sich niemand um uns bemüht hat“. Noch nicht einmal einen Anruf habe es gegeben. Kontakt gab es laut Stellmacher nur per SMS oder über Facebook. Frustriert ist der 27-Jährige, weil die alte Oberligamannschaft inzwischen komplett auseinandergebrochen ist: „Von den Jungs, die sich mit Preußen identifizieren, ist bald kein einziger mehr da.“ Denn auch der gerade am Knie operierte Sebastian Schmidt (Kreuzbandriss), der sich nach der Verletzungspause das Preußen-Trikot wieder überstreifen wollte, geht.

Für die sportliche Zukunft der Preußen sieht Stellmacher schwarz: „Das neue Team ist meiner Meinung nach nicht landesligatauglich. Da kann der neue Coach erzählen, was er will.“ Daran ändere auch die lange Liste der Neuzugänge nichts: Niels Conrad und Mehdi Dragusha (beide TSV Grohnde), Varinder Singh und Mehmet Mustafa (beide SSG Halvestorf), Mariusz Szymanski (ASC Nienburg), Marcel Sovea-Wolf (FC Grimma), Christoph Schmudt (FSV Lok Altmark Stendal), Daniel Magaschütz (VfB Hemeringen), Dennis Blount (TSV Havelse II), Haris Hasic (TV Jahn Leveste), Christian Geschle (TSV Klein Berkel), Fuat Olgunsoy und Dursun Yilmaz (beide Eintracht Afferde), Arne Levin (A-Junioren von Arminia Hannover), Alexis Stanimiroudis (Göttingen 05), Besnic Xehmali (RW Dohnsen), …

Über die Art und Weise wie Schünemann wahllos irgendwelche Spieler anspricht und zu Preußen holt, kann Stellmacher nur den Kopf schütteln: „Da sind einige Namen dabei, zu denen ich mich lieber nicht äußern möchte.“ Stellmacher macht keinen Hehl daraus, dass er bei fast allen Neuzugängen große Zweifel hat, ob sie überhaupt das Zeug haben, in der Landesliga zu spielen. Sein Kommentar zur Transferpolitik: „Das ist eine Katastrophe! Dazu fällt mir nichts mehr ein.“ Er habe jedenfalls keine Lust, mit irgendwelchen Söldnern aus der zweiten polnischen Liga, die sich nicht mit dem Verein identifizieren, in einer Mannschaft zu spielen: „Dann kicke ich lieber nur so zum Spaß in Bayreuth in der Kreisliga.“ Für so ein zusammengewürfeltes Team werde er jedenfalls nicht jede Woche von seinem Studienort Bayreuth über 800 Kilometer nach Hameln und wieder zurück fahren. Der Rundumschlag von Stellmacher traf Schünemann gestern wie ein Blitz aus heiterem Himmel: „Das ist ganz schlechter Stil!“ Kein Verständnis hat Schünemann dafür, dass Stellmacher das neue Team als „Lachnummer“ abstempelt: „Wir werden alles dafür tun, den Klassenerhalt in der Landesliga zu schaffen. Dass das nicht einfach wird, ist klar. Aber die Jungs haben auf jeden Fall eine Chance verdient.“



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