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Manager Horst Bredemeier vom Zweitliga-Spitzenreiter GWD Minden im Interview

„Springe hat genügend Potenzial“

Hameln. Horst Bredemeier (63) ist langjähriger Manager beim Handball-Zweitligisten GWD Minden. Früher war er auch einmal Berater beim damaligen Bundesligisten VfL/BHW Hameln. Am Sonntag (17 Uhr) kehrt Bredemeier in die Rattenfängerhalle zurück – zum Duell gegen die HF Springe.

veröffentlicht am 21.10.2015 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 26.10.2016 um 08:49 Uhr

Hameln. In der deutschen und internationalen Handball-Szene ist Horst Bredemeier seit Jahrzehnten eine Institution. Ein Fachmann vom Scheitel bis zur Sohle – und ein Hans Dampf in allen Gassen. So arbeitete „Hotti“, wie er von fast allen gerufen wird, unter anderem schon als Bundestrainer, war Vizepräsident im DHB – und stand auch als Co-Moderator im TV seinen Mann. Sein Herz gehört aber dem Heimatverein GWD Minden, den er seit 1997 wieder als Manager durch alle Höhen und Tiefen des Profihandballs manövriert. In der abwechslungsreichen sportlichen Vita des 63-Jährigen taucht auch ein Beraterposten beim einstigen Bundesligisten VfL/BHW Hameln auf. Am Sonntag (17 Uhr) kehrt Horst Bredemeier nun mit Zweitliga-Tabellenführer Minden nach Hameln zurück. Als Gastgeber fungiert aber nicht mehr der VfL, sondern jetzt die Handballfreunde Springe. Wir befragten den Manager zur aktuellen Situation.

Horst Bredemeier, nach langer Zeit kommen Sie mal wieder in die Rattenfänger-Halle. Da werden doch bestimmt Erinnerungen wach?

Das waren wirklich schöne Zeiten. Mit Paul Tiedemann als Trainer haben wir damals den Klassenerhalt in der Bundesliga geschafft. Dann hatte Alfred Gislason hier sein erstes Traineramt übernommen. Und als der VfL 2002 abgestiegen ist, hat das auch mir wehgetan.

Am Sonntag spielen Sie gegen Springe. Wie stark schätzen Sie den Aufsteiger ein?

Erst mal vorweg, die Springer hatten es längst verdient, aufzusteigen. Für mich ist das eine kampfstarke Truppe, die sich derzeit nicht am aktuellen Tabellenplatz messen lässt. Die Mannschaft hat genügend Potenzial, um den Klassenerhalt zu schaffen. Und ich glaube auch, dass die Rahmenbedingungen für die Springer in Hameln bestimmt besser sind.

In der 2. Bundesliga spielen in dieser Saison 21 Mannschaften. Ist die Liga nicht überbesetzt?

21 Mannschaften, das ist schon hart. Aber keiner will zusätzlich absteigen. Ich glaube, dass wir uns künftig alle an 20 Mannschaften in der 2. Liga gewöhnen müssen. Daran wird sich so schnell nichts ändern. Auf jeden Fall ist es für alle Mannschaften eine große Herausforderung.

In der vergangenen Saison ist GWD Minden aus der Bundesliga abgestiegen, jetzt ist die Mannschaft das Topteam in der 2. Liga. Ist der Leistungsunterschied tatsächlich so groß?

Den Aufsteigern in die erste Liga droht immer der Abstiegskampf. Wer aufsteigt, muss finanziell unbedingt draufsatteln. Die Statistik macht deutlich, dass fast immer die Aufsteiger im Kampf um den Klassenerhalt beteiligt sind. Das gilt übrigens auch für die 2. Liga. Um sich ins sichere Mittelfeld zu orientieren, muss der Etat der Vereine schon bei ca. 4,5 Millionen Euro liegen.

Seit 1997 sind Sie wieder als Manager und Geschäftsführer bei GWD-Bundesliga GmbH und Co. KG tätig. Was hat sich in Minden getan, wie sehen die Ziele für die Zukunft aus?

Erst einmal ist es mir gelungen, aus einem Sorgenkind einen solide aufgestellten Verein zu machen. Wir haben damals immerhin zwei Millionen DM Schulden abgebaut, jetzt sind wir schuldenfrei und stehen auf soliden Füßen. Hauptziel ist natürlich der sofortige Wiederaufstieg in die 1. Liga. Mit einem Etat von drei Millionen Euro können wir dort aber keine großen Sprünge machen. Klassenerhalt und eine solide Weiterentwicklung durch unsere erstklassige Nachwuchsarbeit stehen im Vordergrund. Zurzeit spielen bei uns zwei aktuelle Jugend-Nationalspieler.

Könnten Sie sich eine Begrenzung von ausländischen Spielern in der Bundesliga vorstellen?

Heiner Brandt und ich haben dafür lange Zeit gekämpft. Aber aufgrund des EU-Rechts gibt es kaum Chancen, so etwas durchzudrücken.

Sie wurden viermal zum „Trainer des Jahres“ gewählt. 2007 wurde Deutschland noch einmal Weltmeister. Derzeit läuft es aber nicht rund. Was muss sich beim DHB ändern?

Eine gute Lösung ist schon mal die Verpflichtung von Dagur Sigurdsson als Bundestrainer. Der bringt auch die nötige Bundesliga-Erfahrung mit. Mit ihm werden wir wieder an bessere Zeiten anknüpfen können. Und dafür müssen wir unsere gute Nachwuchsarbeit noch konsequenter nutzen. Die ersten Ansätze sind da. Wenn das richtig umgesetzt wird, werden wir uns auch wieder auf Platz fünf oder sechs bei einer Welt- oder Europameisterschaft etablieren können.Interview: Klaus Frye



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